„Man kann die Liebe nicht stärker erleben“. Thomas Mann und Paul Ehrenberg

8. Dezember 2024 – „‚Man kann die Liebe nicht stärker erleben‘. Thomas Mann und Paul Ehrenberg“ von Oliver Fischer, Rowohlt Verlag: Verheiratet war er 50 Jahre lang mit Katia. Sein Herz schlug jedoch nicht für Frauen. Seine Liebe galt ausschließlich Männern, dem Freund Paul Ehrenberg etwa. Ihm war er regelrecht verfallen.

Der innerseelische Kampf eines Literaturgiganten

Wie kaum für einen anderen Menschen zuvor und auch danach soll er für den Maler empfunden haben. Getraut, ihm das zu gestehen, hat Thomas Mann sich allerdings nie. Seine homoerotische Neigung konnte und wollte er nicht ausleben; zu sehr scheute er die Konfrontation mit der Gesellschaft. Tief in seinem Inneren aber zehrte sich der Schriftsteller geradezu auf und sehnte sich nach emotionaler wie körperlicher Nähe zum Angebeteten. Was folgte, waren Jahre des Leidens und der inneren Zerrissenheit. Kompensiert wurden all seine unerfüllten Wünsche durch die Literatur. Nur in ihr und durch sie wagte er auszusprechen, wozu ihm in der Realität der Mut fehlte.

Fazit: Ein wundervoller Einblick ins Innerseelische dieses großen Genies, der mit Worten so wundervoll umgehen, aber mit Taten oft den eigenen Erwartungen nicht gerecht werden konnte!

Klappentext:

„Man kann die Liebe nicht stärker erleben“, notiert Thomas Mann 1943 über seine Beziehung zu Paul Ehrenberg. Die beiden begegnen sich 1899 in einem Münchner Salon. Ehrenberg studiert Tiermalerei, Thomas Mann ist Redakteur des „Simplicissimus“ und schreibt an seinem ersten Roman „Buddenbrooks“. Die Begegnung reißt den schüchternen Thomas aus seiner sorgsam gepflegten Distanz. Paul besucht mit ihm Kaffeehäuser und die Schwabinger Faschingsbälle – für den Lübecker Patriziersohn eine neue Erfahrung von Leichtigkeit und Lebenslust. Vielleicht findet er bei Paul sogar körperliche Erfüllung, wie ein neuer Blick auf die Quellen zeigt. Mehrere Jahre hält diese enge Freundschaft an. Aber auch danach behalten beide füreinander große Bedeutung – auch als sich die Wege 1933 trennen: Paul bleibt in Deutschland und arrangiert sich mit den Nazis, Thomas geht ins Exil.

Über den Autor:

Oliver Fischer, Jahrgang 1970, studierte Germanistik, Kunstgeschichte und Katholische Theologie. Er arbeitet als freier Journalist in Hamburg, unter anderem für „Geo Epoche“ und „Merian“. 2016 gründete er die „Thomas Mann-Gesellschaft Hamburg“, deren Vorsitzender er ist. Zudem ist er Mitglied im Beirat der „Deutschen Thomas Mann-Gesellschaft“.

Mehr über Thomas Mann lesen Sie bei CarpeGusta Literatur unter „Stichtag: 100 Jahre „Der Zauberberg“ von Thomas Mann – die Ambivalenz eines Genies“.

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