Die vielleicht innovativste Serie über ein literarisches Phänomen, Teil 16: Perry Rhodan – Wenn dich plötzlich deine Vergangenheit einholt …

Kolumne

21. März 2025 – 29 Jahre lang herrscht Ruhe und Frieden auf der Erde. Doch dann schlägt das Schicksal gnadenlos zu und die Vergangenheit holt Perry Rhodan buchstäblich ein: Zyklus 6 der Serie, „M87“, kann teilweise durchaus als philosophisch angehaucht bezeichnet werden. Die Autoren werfen jede Menge „Was wäre wenn“-Fragen auf, die zu „Hätte ich doch besser“-Selbstvorwürfen intergalaktischen Ausmaßes führen. Ja, die Handlung in den Heften 300 bis 399 (Silberbände 33–44) ist über weite Strecken weiterhin waffenstarrend und kriegerisch. Doch William Voltz und sein Team werden spürbar nachdenklicher, ja reflektierter, indem sie gekonnt beschreiben, wie gutgemeinte Vorkehrungen aus der tiefsten Vergangenheit (hier „Old Man“, die quasi uneinnehmbare Festung im All) zu unabsehbaren und mehr als verheerenden Folgen in der Gegenwart führen können, indem sie ganze Völker bedrohen. Das nukleare Wettrüsten im Kalten Krieg lässt grüßen!

Differenziertere Betrachtungsweisen

Dabei spielen sie regelrecht mit Gut und Böse, wechseln Perspektiven und stellen am Ende Zusammenhänge her, die zum Nachdenken anregen und Blaupausen sind für reale Probleme, mit denen die Menschheit nicht nur zum Zeitpunkt der Veröffentlichung Ende der Sechzigerjahre zu kämpfen hatte: Politiker, Wirtschaftsmagnaten und Militärangehörige, die wahlweise egoistisch oder einfach gedankenlos „ja nur Befehle befolgt“ und „nur das Beste für alle“ wollten zum Beispiel. Für die Serie teilweise noch heute entscheidende Figuren werden eingeführt, darunter – Achtung Spoiler! – der Freihändler Roy Danton alias Michael Rhodan und der begnadete Wissenschaftler Geoffry Abel Waringer, Perrys Schwiegersohn. Bahnbrechende Technologien kommen ebenfalls zum Einsatz: Paratronschutzschirme und Zeitfelder, die ganze Sonnensysteme faktisch unangreifbar oder unsichtbar machen, etwa oder Triebwerke für die intergalaktische, nicht „nur“ interstellare Raumfahrt.

Im Zeichen der 68er?

Titelheld Perry Rhodan indes wird – im besten Sinne – zusehends schlitzohriger, ja ausgebuffter, fast wieder wie beim Start der Serie, und bezwingt seine Gegner nicht mehr vordringlich mit Transformkanonen und planetenvernichtenden Arkonbomben, sondern mehr und mehr mit Diplomatie und gewaltfreier List. Da können Gegner wie Kristallagenten und Ulebs noch so furchteinflößend sein oder so hochentwickelt wie die Konstrukteure des Zentrums. Fast könnte man glauben, die 68er haben Teile der Redaktion gekapert …

Tipp: Lesen Sie noch weitere Kolumnen, Interviews, launige Beiträge und ganz persönliche Einschätzungen in unserer Serie „CarpeGusta Literatur meets Perry Rhodan“!

Die nächste Kolumne erscheint am 4. April 2025.

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