Zsömle ist weg – der neue Roman von Nobelpreisträger László Krasznahorkai

„Ich bin zutiefst glücklich, dass mir der Nobelpreis verliehen wurde – vor allem, weil es beweist, dass die Literatur, jenseits aller nicht-literarischen Erwartungen, in ihrer Eigenständigkeit fortbesteht und weiterhin gelesen wird“, freute sich László Krasznahorkai. „Sie schenkt ihren Lesern die leise Hoffnung, dass Schönheit, Würde und das Erhabene in ihrer reinen Form bestehen können. Vielleicht weckt sie sogar in jenen, deren Leben kaum noch zu pulsieren scheint, ein zartes Vertrauen – auch wenn es keinen greifbaren Grund dafür gibt“, fuhr er fort und vermittelte damit gleichzeitig seine Auffassung von Literatur.

Dicht und intensiv

Auch in seinem neuen Roman „Zsömle ist weg“, erschienen im S. Fischer Verlag, gibt er seiner Überzeugung von der transformativen Kraft der Literatur eine Form. Wie in seinen früheren Werken erschafft Krasznahorkai eine Welt der Absurditäten, in der sich das Individuum in einem stetigen, oft schmerzlichen Dialog mit sich selbst, der Welt und dem Sein befindet. Diese Themen verwebt er zu einer starken Geschichte, die gleichermaßen melancholisch wie humorvoll ist – eine Erzählung, die seine Leserinnen und Leser herausfordert, sich mit den existenziellen Fragen des Lebens auseinanderzusetzen. Krasznahorkai bedient sich dabei einer unverwechselbaren Sprache: Es sind seine langen, melodiösen Sätze, die tief in die psychischen Zustände seiner Figuren eintauchen und damit eine Prosa von bemerkenswerter Dichte und Intensität erzeugen.

Klappentext:

Wer vor der Politik flieht, den sucht sie heim. Onkel Józsi hat alles getan, um vor den Augen der Welt zu verschwinden, seine Familie und seine Herkunft hat er geheim gehalten: Er ist Spross einer jahrhundertealten Adelslinie, die auf verschlungenen Wegen bis Dschingis Khan zurückreicht. Sogar Anspruch auf den ungarischen Thron könnte er erheben, aber er will sich nicht in die Politik einmischen und lebt, wie alle seine Vorfahren, im Verborgenen.

Bis er von einer merkwürdigen Schar vermeintlicher Anhänger aufgespürt wird – von unverbesserlichen Monarchisten und verschrobenen Archivaren. Mit Ungarn gehe es bergab, der Glanz sei dahin, alles sei verloren, da sind sich alle einig. Als sie ihre Pläne enthüllen, zerreißt das Gespinst. Die Nähte des Lebens sind verschlissen, die Gedanken jagen sich im Kreis, das Glück gibt es nur noch retrospektiv. Bleibt nur die Flucht …

Über den Autor:

1954 im ungarischen Gyula geboren, gilt László Krasznahorkai als einer der innovativsten Schriftsteller Europas. Seine Romane „Satanstango“ und „Melancholie des Widerstands“ wurden weltweit begeistert aufgenommen. Für seinen Roman „Baron Wenckheims Rückkehr“ wurde er mit dem „National Book Award 2019 for Translated Literature“ ausgezeichnet. 2021 erhielt er den „Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur“ und 2024 den spanischen Literaturpreis „Prix Formentor“ – und 2025 den Nobelpreis. László Krasznahorkai lebt im italienischen Triest.