Weird Girl Fiction: Weibliche Selbstfindung in der Literatur jenseits der Norm

Sie sind unauffällig, anpassungswillig und folgen den meist von Männern festgelegten Normen der Gesellschaft? Nein, dieses Klischee, das dem weiblichen Geschlecht in der Literatur früher oftmals zugeschrieben wurde, hat sich inzwischen komplett überholt. Unserem liberalen, ja modernen Zeitalter entsprechend sind sie heute offener, mutiger. In der Welt der Romane gipfelt das gar in einem eigenen Subgenre, der sogenannten Weird Girl Fiction. Und hier herrschen völlig andere Regeln. Zwar ist der noch relativ frische Begriff nicht eindeutig definiert. Eine grundlegende Tendenz lässt sich aber erkennen: Es geht stets um wilde Abenteuer von außergewöhnlichen Frauen, die in einer spektakulären, oft surrealen oder bizarren magischen Welt agieren.

Tabulos, verschreckend, grell

Die Figuren im Genre zeichnen sich dadurch aus, dass sie keine klassischen Heldinnen, sondern Außenseiterinnen sind. Das macht sie besonders interessant, weil sie eben Ecken und Kanten haben, nicht perfekt sein können, stattdessen chaotisch, unsicher und in jederlei Hinsicht verblüffend, befremdlich, irritierend wirken. Durchs Leben gehen sie grundsätzlich mit einer Antihaltung. Dementsprechend wehren sie sich vehement dagegen, eine „typische“ Tochter, Schwester oder Ehefrau zu sein. Erwartungen, die ihnen die Umwelt aufdrücken will, erfüllen sie schon aus Prinzip nicht. Im Gegenteil: Mit Vorliebe brechen sie Tabus, indem sie beispielsweise öffentlich „pöbeln“, urinieren oder masturbieren. Sie gehen fremd, lieben mehrere Männer gleichzeitig, nehmen sich, was sie wollen. Und auch äußerlich unterscheiden sie sich vom Mainstream: Ihre Haare leuchten in den grellsten Farben, ihr eigenwilliger Kleidungsstil will in keine Schublade passen, ihr Make-up verschreckt eher, als dass es entzückt.

Provokante Literatur mit lauter Mission

Die radikale Abkehr von Konventionen ist laut, aufsehenerregend und sorgt für jede Menge Zündstoff. Doch sie provoziert nicht nur, sondern hat auch eine Mission: die Bedeutung von vermeintlicher Normalität hinterfragen. Wer bestimmt, was richtig oder falsch, hübsch oder hässlich ist? Was bedeutet gut, was böse? Solche Fragen stehen stets zwischen den Zeilen. Das Handeln der couragierten Protagonistinnen zielt daher nicht auf eine reine Schockwirkung ab; vielmehr dient sie dazu, eine neue Form von Weiblichkeit und Selbstidentität zu finden.

In einem prägnanten Satz zusammengefasst, lautet die Message von Weird Girl Fiction somit: Steh zu dir selbst mit all deinen Stärken und Schwächen, denn du bist einzigartig, wertvoll und wundervoll – ganz gleich, was andere von dir erwarten.