„Vaterlos“ von Thomas Medicus, Rowohlt Verlag: Alles verschwindet hinter dem Horizont. Das Leben verblasst – völlig unerwartet, plötzlich und ohne Ankündigung! Oder gab es etwa doch Anzeichen dafür? Und führen die Fragen zu Antworten, die den viel zu frühen Tod des Vaters erklären könnten? T. versucht zumindest, das Unlösbare zu lösen. Die einzige nicht wegzudiskutierende Konstante ist ein kleines vergilbtes Bild, auf dem der Verschwundene zu sehen ist. Jahrzehntelang blickt T. darauf. Er sucht darin, was er nie findet – Erkenntnis.
Ein Bild als Trost und Qual
Dieses Foto legt er – metaphorisch gesagt – nie mehr aus der Hand. Leitmotivisch begleitet es ihn fortwährend. Es wird zu einem stummen Zeugen seiner rastlosen Jagd nach einer irgendwie noch ertragbaren Wahrheit. Im Laufe der Zeit verselbstständigt es sich sogar. Es wird zum Anker und Abgrund zugleich, hält Erinnerungen und Rätsel, Trost und Qual vor. In jeder Faser des alten Papiers erahnt T. ein ums andere Mal Spuren, Hinweise also auf eine längst entglittene Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Fazit: Ein sprachliches Feuerwerk über einen Verlust, der nicht überwunden, sondern getragen werden muss, und darüber, dass weiterzuleben bedeutet, die Leerstelle als Teil der eigenen Geschichte anzunehmen.



