Über den Sex, den Romane verschweigen

„Über den Sex den Romane verschweigen“ von Stefan Busch, Dittrich Verlag: Sie deuten an, führen aber nicht explizit aus, worum es tatsächlich geht. Diese Kunst des Verschleierns wurde insbesondere in früheren Epochen eingesetzt, in denen es sich nicht schickte, darüber en detail zu schreiben. Schriftsteller wie Theodor Fontane, Gustave Flaubert und Lew Tolstoi entwickelten daher ausgefeilte Wortmalerei und fantasievolle Metaphern, um die letztlich fehlenden Stellen in ihren Romanen auszufüllen.

Erotik trotz Ellipse

Trotz dieser elliptischen Erzählweise erzeugten sie Erotik pur – eine, die viel Spielraum für die Vorstellungskraft der Leserinnen und Leser ließ. Allen blieb es somit selbst überlassen, sich auszumalen, wie nun genau das Liebespaar im Buch aufeinandertraf und sich gegenseitig glückliche Stunden bescherte …

Fazit: Eine Einladung, über die Macht der Sprache nachzudenken und zu entdecken, wie viel mehr Spannung allein die bloße Imagination evozieren kann!

Ein weiterer Lesetipp: „Requiem für ein Kind. Trauer und Trost berühmter Eltern“ von Joseph Groben, ebenfalls im Dittrich Verlag erschienen

Klappentext:

„Erst jetzt weiß ich, was ein wirkliches Unglück ist“ … das schrieb Karl Marx 1855 nach dem Verlust seines einzigen Sohnes Edgar, den er nie überwinden konnte. Freud spricht nach dem Tod seiner Tochter Sophie von der „Ungeheuerlichkeit, dass Kinder vor den Eltern sterben“. In chronologischer Reihenfolge geht die Sammlung biographischer Skizzen von Marcus Tullius Cicero, der seine Tochter Tullia im Jahre 45 v. Chr. verlor und ihr einen Tempel errichten wollte, bis zu Stefan Andres, der den Verlust seiner siebenjährigen Tochter Mechthild in einem Gedichtzyklus und einem Roman betrauerte. Die „Trauerarbeit“ mündete bei vielen schöpferischen Menschen in bedeutende Leistungen: Rückert schrieb 446 „Kindertotenlieder“, Käthe Kollwitz schuf ihr Hauptwerk „Die trauernden Eltern“. Dieses Buch gibt einen Einblick in das private Leben berühmter Persönlichkeiten. Groben zeigt sie als verwaiste Eltern: erschüttert, verletzt, zutiefst menschlich und nah. Wie sie mit ihrem Trauerschmerz umgingen, das gehört zu den verborgenen, aber ergreifendsten Kapiteln der europäischen Kulturgeschichte.