Der Tod als Titelheld: Von Klassiker bis Psychothriller

Rasch tritt der Tod den Menschen an,
Es ist ihm keine Frist gegeben,
Es stürzt ihn mitten in der Bahn,
Es reißt ihn fort vom vollen Leben,
Bereitet oder nicht, zu gehen,
Er muss vor seinen Richter stehen!

So heißt es in „Wilhelm Tell“. Schiller beschäftigt sich darin und in seinen weiteren Dramen dezidiert mit dem Sterben. Er schien von diesem Motiv ebenso fasziniert zu sein wie viele seiner Kollegen, die die Endlichkeit ebenfalls zum zentralen Thema ihrer Romane machten. Die Liste mit Texten, in denen Goethe, Kafka, Hesse, Rilke und Co. nach Antworten auf fundamentale Fragen wie „Warum ist das Sein endlich?“, „Weshalb haben wir Angst vor dem letzten Akt?“, „Was kommt danach?“ und „Wird im Jenseits vielleicht alles besser?“ fahnden, ist lang.

Moralisch, unvermeidlich, grotesk

Die Sinnsuchenden kleiden den Sensenmann dafür stets in neue Gewänder, geben ihm verschiedenste Gesichter: Im „Faust“ etwa erscheint er als unausweichliche und metaphysische Konsequenz menschlichen Handelns. In Albert Camus’ „Der Fremde“ wird er als neutrales, unvermeidliches Faktum inszeniert. In der „Blechtrommel“ von Günter Grass tritt er als allseits präsente, oft groteske Instanz auf, die individuelle Schicksale und den gesellschaftlichen Verfall widerspiegelt.

Autorinnen und Autoren setzten außerdem auf die sprachliche Wucht des Wortes und machten den Tod auf diese Weise buchstäblich zum Titelhelden ihres Œuvres, beispielsweise

  • Friedrich Hölderlin in „Der Tod des Empedokles“,
  • Thomas Mann in „Der Tod in Venedig“,
  • Ernest Hemingway in „Tod am Nachmittag“,
  • Leo Tolstoi in „Der Tod des Iwan Iljitsch“,
  • Arthur Miller in „Der Tod eines Handlungsreisenden“,
  • Simone de Beauvoir in „Ein sanfter Tod“,
  • Ingeborg Bachmann in „Todesarten-Projekt“,
  • Simon Beckett in „Die Alchemie des Todes“,
  • Wolfgang Koeppen in „Der Tod in Rom“,
  • Sebastian Fitzek in „Todesrauschen“ und
  • Stephen King in „tot“.

Wenn Schriftsteller übers Sterben nachdenken – der Tod in berühmten Worten:

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