Tage im August

„Tage im August“ von Dacia Maraini, Unionsverlag: Lebenshungrig schaut die Protagonistin aufs Sein. Einfühlsam und in feinen Pinselstrichen zeichnet die Autorin das Bild einer Jugendlichen, die erfahren, erleben, fühlen will, und zwar mit der wuchtigen Neugier eines Teenagers.

Anna befindet sich an der Schwelle zum Erwachsensein. Sie entdeckt ihre eigene Identität und Sexualität neu, während der Zweite Weltkrieg den Alltag um sie herum zerstört. Maraini gewährt ungeschönte Einblicke in die inneren und äußeren Konflikte des Mädchens, ordnet Frausein, Politik und Gesellschaft auf ganz neue Weise. Ein sommerlicher Badeort bildet dabei einen faszinierenden Kontrast zu den Schatten des Krieges, die über dem Idyll liegen.

Fazit: Prosa mit Feingefühl!

Klappentext:

Die Sonne brennt unbarmherzig, heiß sind die Tage am Meer. Auf Anna wartet die lang ersehnte Freiheit. Es ist Sommer 1943.

Der Vater hat die Vierzehnjährige und ihren jüngeren Bruder aus dem Nonneninternat abgeholt, um die Ferien in einem Badeort in der Nähe Roms zu verbringen. Das Dröhnen der Jagdbomber am Himmel durchbricht die schläfrige Stille der Tage; abends beim Abendbrot sitzt Anna schweigend neben einer fremden Frau, die ihr Vater zweite Mama nennt. Dabei ist Anna hungrig nach Welt, sie will wissen, wie Liebe wirklich geht. In der Badeanstalt Savoia spürt sie die gierigen Blicke junger wie alter Männer und manch fordernde Hand auf ihrer Schulter.

Über die Autorin:

Dacia Maraini, Jahrgang 1936, wuchs in Japan und Sizilien auf. Sie gilt als eine der wichtigsten Stimmen Italiens. Aufgrund der antifaschistischen Haltung ihres Vaters war sie als Kind in einem japanischen Gefangenenlager interniert. Sie war eine der Ersten, die über Gewalt gegen Frauen schrieb, begründete experimentelle Theater, reiste mit Pier Paolo Pasolini für Filmprojekte nach Afrika und schrieb Drehbücher, unter anderem für Margarethe von Trotta.

Ebenfalls neu im Unionsverlag erschienen: „All unsere Leben“ von Christine Dwyer Hickey

Klappentext:

Es ist der Beginn einer vier Jahrzehnte andauernden Suche nach Liebe: 1979, in einem weiten, gnadenlosen London, finden sich zwei irische Außenseiter – Milly, eine junge Ausreißerin, und Pip, ein talentierter junger Boxer. Sie verlieben und verlieren sich ineinander, doch das Leben drängt sie in unterschiedliche Richtungen. Immer wieder kreuzen sich ihre Wege, wandern die Gedanken zum anderen.

Vierzig Jahre später klammert sich Milly an das einzige Zuhause, das sie je gekannt hat, während Pip durch die Straßen Londons streift und mit seinen Dämonen kämpft. Zwischen ihnen, vielleicht unüberwindbar, liegt ein ganzes Leben.

In einer sich ständig wandelnden Stadt entfaltet sich eine epische Geschichte über Einsamkeit, Sehnsucht, Menschlichkeit und Liebe.