„Sonntagnachmittag“ von Viktorie Hanišová, Wieser Verlag: Es ist ein schonungsloser Blick auf das, was Familien oft im Verborgenen halten: unausgesprochene Wahrheiten, lähmendes Schweigen und die zerstörerische Kraft von Geheimnissen.
Teo wächst in einer Welt auf, die von strengen Regeln und religiöser Kontrolle geprägt ist. Seine Verwandten sind gefangen in einem dichten Netz aus Unsicherheit und Sprachlosigkeit. Viele ungelöste Fragen stehen zwischen ihnen. Doch je mehr sich der Protagonist von dieser unheilvollen Umgebung entfremdet, desto offensichtlicher wird das Mysterium rund um seinen Vater, der jeden Sonntag spurlos verschwindet.
Hanišová erzählt eindringlich, ihre Sprache ist klar und atmosphärisch dicht. Sie beschreibt mit einer kraftvollen Intensität, die offenbart, dass es hier um mehr geht als um eine diffizile Familiengeschichte. Ihr Roman ist ein beklemmendes Psychogramm über Isolation, Anderssein und die Sehnsucht nach Verständnis.
Fazit: Ein leiser, aber dynamischer Text, der zeigt, dass Schweigen oft lauter ist als Worte!
Über die Autorin:
Viktorie Hanišová, Jahrgang 1980, studierte Anglistik und Germanistik an der Karls-Universität Prag, unterrichtet und übersetzt aus dem Deutschen und Englischen. Ihre Werke wurden in 13 Sprachen übersetzt. Sie lebt mit ihrer Familie in Prag.



