Die vielleicht innovativste Serie über ein literarisches Phänomen, Teil 36: Perry Rhodan und eine Welt ohne Liebe

*Kolumne*

Was wäre die Menschheit ohne Emotionen? Wäre sie besser dran, weil sie sich viel besser in der Gewalt hat? Oder wäre sie dem Untergang geweiht, weil Verstand allein einfach nicht funktioniert, vielleicht sogar buchstäblich lebensgefährlich ist? Ja, das ist eine durchaus philosophische Frage. Viele Autorinnen und Autoren haben sich damit schon beschäftigt, Mitte der 1970er auch die der Weltraumsaga rund um Perry Rhodan. Wenig überraschend lautet stark verkürzt die Antwort (Achtung: Spoiler!): Ohne Gefühle geht es nicht.

Philosophische Science-Fiction

„Aphilie“ wird der Zustand absoluter Gefühllosigkeit in der Serie genannt. Der gleichnamige Zyklus (Heft 700–799, Silberband 81–93) beschäftigt sich in weiten Teilen damit, zu was Gefühllosigkeit (im wörtlichen und im übertragenen Sinne) führt: buchstäblich zum Weltuntergang nämlich! Denn ohne Emotionen sind fühlende Intelligenzwesen schlicht und ergreifend verloren. Ohne jedes Mitgefühl, ohne wahre Liebe und ohne anspornende Ängste degenerieren die sogenannten Aphiliker Ende des 36. Jahrhunderts und haben nur noch ein Ziel: die wenigen „Immunen“ zur „wahren Vernunft“ zu bekehren oder – wenn das nicht funktioniert – sie zu jagen, wegzusperren und zu ermorden.

Das ist spannend, erschreckend nachvollziehbar und geht daher ziemlich unter die Haut. Es ist eine Dystopie vom Feinsten, die Perry Rhodans Macher hier zu Papier gebracht haben, unerwartete Wendungen inklusive. Von wegen leichte Kost, von wegen Groschenroman – hier trifft Science-Fiction auf echte Philosophie!

Tipp: Lesen Sie noch weitere Kolumnen, Interviews, launige Beiträge und ganz persönliche Einschätzungen in unserer Serie „CarpeGusta Literatur meets Perry Rhodan“!