Kolumne
28. November 2025 – Da sage noch einer, die Weltraumsaga rund um Perry Rhodan sei keine Literatur: Mit dem sogenannten Wasservers hat sie sogar Geschichte geschrieben! Leider wissen das, wenn überhaupt, nur die eigenen Fans … Aber der Reihe nach: Im August 1962 erscheint unter dem Titel „Der Einsame der Zeit“ Heft 50 der Serie. Später wird man es als Beginn des zweiten Romanzyklus, „Atlan und Arkon“, definieren. Erstmals tritt hier Atlan auf den Plan, alsbald eine der Hauptfiguren, damals noch Todfeind Perry Rhodans. Nachdem er zusammen mit ihm auf einem heißen Wüstenplaneten strandet, bekämpfen sich die zwei bis aufs Messer und drohen schließlich zu verdursten. Da versucht Atlan, als Arkonide hitzeresistenter, seinen Gegner mithilfe des Wasserverses zu provozieren, um ihn zum Aufgeben zu bewegen. „Das Wasser ist nass, das Wasser ist nass, wie köstlich schluckt und schlürft sich das“, singt er in dem Wissen, dass diese Vorstellung für einen Verdurstenden nicht wirklich angenehm sein kann. Mehr oder weniger fantasievoll macht er deshalb direkt weiter mit den Worten: „Das Wasser ist kühl, kühl ist das Nass, ich schwimme in einem ganzen Fass, denn heute – ist das Wasser nass.“
Zermürbungstaktik, Geheimcode und Running Gag
Der Reim klingt ziemlich albern, ist aber eben, wie man es heute wohl sagen würde, effektive psychologische Kriegsführung. Bestimmt hätte man das gesungene Gedicht schnell wieder vergessen, käme es nicht in teilweise riesigen Abständen bis heute (!) immer wieder im Perryversum vor – als eine Art Codierung, mit der sich die beiden in den verschiedensten Situationen sozusagen fälschungssicher gegenseitig ausweisen können, zum ersten Mal 63 Handlungsjahre später, dann rund zweieinhalb Handlungsjahrtausende nicht mehr und seitdem noch mindestens ein halbes Dutzend weitere Male, zuletzt im Zyklus „Fragmente“ vor knapp drei Realjahren. Der Wasservers ist damit, wenn man so will, zum Running Gag geworden.
Zitate für die Ewigkeit
Bewusst oder unbewusst – niemand vermag das zu sagen – wird der Leitsatz inzwischen in noch ganz anderen Zusammenhängen zitiert, fernab jedweder Science Fiction: „Das Wasser ist nass“ gilt als eines der Filmzitate aus „Last Boy Scout“, einem Actionthriller von 1991 mit Bruce Willis, ist Titel eines Raps von 2013 und seit geraumer Zeit sogar Grundlage pseudowissenschaftlicher Diskussionen zur Frage, ob Wasser nass ist oder nass macht. Den wenigsten dürfte dabei der wahre Ursprung bekannt sein. Umgekehrt ist übrigens genauso wenig auszuschließen, dass sich „Perry Rhodan“-Autor K. H. Scheer – wiederum bewusst oder unbewusst – selbst bedient hat, und zwar bei Heinrich Heine! Der nämlich schreibt in seiner „Harzreise“ schon 1826: „Da sind nur eine Sonne, Bäume, Blumen, Wasser und Liebe. Freilich, fehlt letztere im Herzen des Beschauers, so mag das Ganze wohl einen schlechten Anblick gewähren, und die Sonne hat dann bloß so und so viel Meilen im Durchmesser, und die Bäume sind gut zum Einheizen, und die Blumen werden nach den Staubfäden klassifiziert, und das Wasser ist naß.“
Und damit schließt sich der Kreis: Denn wenn sogar ein Dichter wie Heinrich Heine so etwas schreibt, heißt das doch im Umkehrschluss, dass „Perry Rhodan“ definitiv literarisch wertvoll ist …
Tipp: Lesen Sie noch weitere Kolumnen, Interviews, launige Beiträge und ganz persönliche Einschätzungen in unserer Serie „CarpeGusta Literatur meets Perry Rhodan“!













