Die vielleicht innovativste Serie über ein literarisches Phänomen, Teil 21: Perry Rhodan und das Sprachproblem

*Kolumne*

Hypnose als ultimatives Lernwerkzeug! Was in der realen Welt noch bis vor wenigen Jahren für vollkommen unmöglich gehalten, ja belächelt wurde, ist für Perry Rhodan schon früh Realität: Fremdsprachen aller Art zum Beispiel müssen in seiner Welt nicht mühsam erarbeitet werden, sondern werden dem Gehirn einfach eingetrichtert: als eine Art Crashkurs in einmaligen Hypnosesitzungen. Vokabelpauken adé!

Das Autorenteam löste damit in den 60ern ein grundsätzliches Problem von Science Fiction: Wie kommuniziert man mit fremden Völkern? Wie im Wortsinne versteht man den Außerirdischen von nebenan, ohne sich auf die Technik eines Universalübersetzers verlassen zu müssen? So machte es die Konkurrenz nämlich nur allzu gern, sogar bei neueren Serien wie „Star Trek“. Wenn dort dann aber ein Klingone plötzlich in seiner Herkunftssprache flucht oder ein Romulaner Bösartigkeiten vor seinem Gesprächspartner verbergen will, hält sich der technische Dolmetscher einfach vornehm zurück und lässt die Worte schlichtweg im Original stehen. Bloß woher weiß er, wann er den Mund zu halten hat? Logisch ist das nicht gerade!

Hypno-Crashkurse

Indem die Haupt- und Nebenfiguren neben der heimatlichen Verkehrssprache Interkosmo (letztlich eine erfolgreiche Esperanto-Version) ebenso Interkarties, Tefroda oder das Zentrums-Idiom einfach selbst sprechen, und zwar absolut akzentfrei, löst das Perryversum dieses Problem viel galanter – und geradezu prophetisch! Denn schnelle(re)s Lernen in Hypnose ist in der realen Welt heute überhaupt keine Zukunftsvision mehr, wenn auch zugegeben noch weit von den Möglichkeiten Perry Rhodans entfernt. Funfact: Hypnose ist in der echten Welt noch gar nicht lange als seriöse Methode anerkannt. Bis in die 90er jedenfalls verband man sie vielfach noch ausschließlich mit Show und Hokuspokus. Insofern waren die Autoren ihrer Zeit wirklich weit voraus!

Positronik als KI für Fortgeschrittene

Ebenso hellsichtig erscheint im Rückblick Clark Darltons und Karl-Herbert Scheers Idee, mit der sie fremde, noch völlig unbekannte Sprachen analysierten, um sie übersetzbar zu machen: Ihre sogenannte Positronik war letztlich nichts anderes als ein Hochleistungsrechner und der Sprachentschlüssler darin halt ein Stück Software, eine künstliche Intelligenz eben. Zugegeben, ChatGPT, Gemini, Copilot und Konsorten schaffen derlei Herausforderungen noch bei Weitem nicht. Das Prinzip aber beherrschen sie durchaus schon! Schon heute übersetzen sie Texte oftmals besser als so mancher Mensch. Und sie lernen schnell! Wer würde also ernsthaft bezweifeln, dass sie in wenigen Jahren wirklich den Durchbruch schaffen können?

Tipp: Lesen Sie noch weitere Kolumnen, Interviews, launige Beiträge und ganz persönliche Einschätzungen in unserer Serie „CarpeGusta Literatur meets Perry Rhodan“!