*Kolumne*
Es gibt Momente im Leben eines Perryaners, die sind unbegreiflich. Und zwar im Wortsinne! Nein, nicht so was wie Überlichtflug, Universalübersetzer oder Unsterblichkeit; ja, das ist alles vielleicht schwierig, aber dann doch eher fantastisch! Mit den Keloskern indes ist es eine völlig andere Nummer. Nummer? Ja, wieder im Wortsinne! Denn die können etwas, das uns schier die Synapsen verknotet, wenn wir lediglich darüber nachsinnen: Sie beherrschen die höherdimensionale Mathematik. Fantastisch? Ja, auch. Aber das ist nicht das Problem! Denn zehn, elf, sogar unendlich viele Dimensionen beherrschen mathematisch begabte Menschen ebenfalls, im Universum Perry Rhodans ebenso wie in der realen Welt. Aber halt nur theoretisch! Kelosker hingegen verstehen sie. Nein, noch schlimmer: Sie sehen sie! Puh, als wenn man in der Schule nicht mit drei Dimensionen schon genug ausgelastet gewesen wäre, um nicht zu sagen: überfordert! Also, was, bei allen Planeten, sehen diese Wesen denn da? Wie soll das gehen? Höherdimensionale Mathematik ist abstrakt, mitnichten schön anzusehen. Basta!
Vom Strichmännchen zum multidimensionalen Wesen
Okay, versuchen wir es trotzdem. Also: Wir leben bekanntlich in einer Welt mit drei Raumdimensionen – Länge, Breite, Höhe. Dazu kommt als vierte Dimension noch die Zeit. Die können wir schon nicht mehr sehen, allenfalls spüren, zum Beispiel in Stresssituationen. Unser Denken, unsere Vorstellungskraft basiert auf diesen drei (oder eben vier) Dimensionen. Dafür ist unser Gehirn gebaut. Mit komplexer(er) Mathematik können die Albert Einsteins und Stephen Hawkings dieser Welt zwar rechnen. Aber sie sehen? Nein.

Und dann kommen diese Kelosker und machen … ja, was eigentlich? Auf jeden Fall ist es: genau, mehr! Man kann sich das mit einem kleinen Gedankenexperiment halbwegs klarmachen: Stellen wir uns eine zweidimensionale Welt vor, also ein Blatt Papier, auf dem ein kleines Strichmännchen lebt. So ein Wesen kennt nur vor und zurück, links und rechts. Ein Oben existiert nicht. Diese 2D-Karikatur sieht (aha!) diese dritte Dimension nicht einmal, vermutet höchstens, dass es sie gibt, kann sie sich aber nicht wirklich vorstellen. So. Und jetzt kommt ein 3D-Mensch daher und berührt mit seinem dreidimensionalen Finger die 2D-Welt aus Papier. Das dürfte das Strichmännchen, für das hier etwas völlig Unfassbares, Unbegreifliches passiert, mehr als nur irritieren: Da erscheint ein Punkt aus dem Nichts, wird größer, wieder kleiner und verschwindet urplötzlich. In der 2D-Welt ist das wie Magie. Aus 3D-Sicht ist es einfach nur die zusätzliche Dimension namens Raum!
Gebilde in 7D
Und genau so – nur eine gewaltige Nummer größer – ist es mit den Keloskern: Während wir uns einen vierdimensionalen Würfel, geschweige denn eine sechs- oder siebendimensionale Struktur beim besten Willen nicht vorstellen können, nehmen die sie direkt wahr, sehen sie. Keine abstrakte Mathematik, sondern Alltagserfahrung! Wir rechnen und verzweifeln, sie schauen uns nur mitleidig an und rümpfen ihre Paranormhöcker auf der Nase. Und nein: Den Knoten in unserem Kopf vermögen auch sie nicht zu lösen; sie können es uns einfach nicht begreiflich machen. Denn unser Geist, unser Intellekt ist dafür schlichtweg nicht gemacht. Wir können alles (Un-)Mögliche mathematisch beschreiben, vielleicht sogar visualisieren – aber eben nur als abstrakte, völlig unzulängliche Krücke. Die Kelosker brauchen so etwas nicht. Sie bewegen sich geradezu leichtfüßig in der siebten Dimension, die für uns noch viel fremder ist als für das Strichmännchen die dritte.
Utopien zum Philosophieren
Natürlich ist das reine Science-Fiction. Werden Menschen höhere Dimensionen tatsächlich verstehen, sie sehen? Unwahrscheinlich! Es wäre auch zu schön, um wahr zu sein: Keine Gleichungen mehr, keine Modelle, die eigentlich niemand versteht, sondern einfach hingucken und feststellen: „Ah, ein elfdimensionales Gebilde, alles klar!“ Klingt gut? Sicherlich! Nur, was haben beschränkte Wesen wie wir überhaupt davon, wenn so etwas wohl ewig Utopie bleibt? Ganz einfach, es regt zum Philosophieren an: Was, wenn die Wirklichkeit tatsächlich viel komplexer ist, als wir jemals begreifen können? Vielleicht ist unser Universum wirklich voller höherer Dimensionen, die wir einfach nicht sehen, weil uns schlichtweg die passenden Sinne dazu fehlen. Vielleicht stolpern wir sogar ständig über sie, ohne es zu merken. Und was wäre, wenn wir sie plötzlich wahrnehmen könnten? Stünden wir dann genauso ratlos da wie das arme Strichmännchen unter dem dreidimensionalen Finger?
Ob die Kelosker eine Antwort darauf haben? Schwer zu sagen. Vermutlich lehnen sie sich bei der Frage süffisant lächelnd zurück und wundern sich, warum wir uns eigentlich so anstellen …
Tipp: Lesen Sie noch weitere Kolumnen, Interviews, launige Beiträge und ganz persönliche Einschätzungen in unserer Serie „CarpeGusta Literatur meets Perry Rhodan“!



