*Kolumne*
Mehr als 60 Jahre lang jede Woche eine Fortsetzung fertigzustellen, stets abgestimmt zwischen einer immer wieder wechselnden Schar von Autorinnen und Autoren, ist nicht weniger als eine logistische Meisterleistung. Chapeau, dass „Perry Rhodan“ über eine solche Marathondistanz weitgehend logisch und konsistent geblieben ist! Über die Fehler sehen Perryaner selbstredend großzügig hinweg. Schließlich ist die erfolgreichste Science-Fiction-Serie der Welt vor allem Unterhaltung und eben keine echte Wissenschaft. Dennoch lohnt es sich für eingefleischte Fan, sich ein paar der vielleicht gröbsten Schnitzer im Perryversum einmal genüsslich-schmunzelnd vor Augen zu führen.
Technik-Fails
Wahrscheinlich würden fantastische Erfindungen und wissenschaftliche Erkenntnisse in der Welt von Perry Rhodan so manchen Handlungsstrang in späteren Zyklen behindern. Deshalb werden sie häufig kreativ umgedeutet oder manchmal auch außer Acht gelassen. Beispiele:
- Zeitreisen: Wissenschaftlicher Konsens in frühen Folgen ist, dass Zeitreisen nur in die Vergangenheit, nicht aber in die Zukunft möglich sind und dass von dort nichts und niemand in die eigentliche Gegenwart mitgebracht werden kann, weil das für jemanden aus der Vergangenheit gleichbedeutend mit einer Reise in die Zukunft wäre. Beim Cappin Ovaron wird das allerdings großzügig ignoriert.
- Intergalaktischer Antrieb: Der Dimetrans- und später der verbesserte Dimesextaantrieb ermöglichen Reisen faktisch ohne Reichweitenbegrenzung. Doch als dann die Laren auf den Plan treten, ist die Entfernung zu ihrer Galaxie mit den eigenen Raumschiffen plötzlich unüberwindbar.
- Psychostrahler: Die „praktische“ Waffe, mit der ganzen Armeen ohne bleibende Schäden der eigene Wille aufgezwungen werden kann, gibt es plötzlich nicht mehr. Sie verschwindet einfach aus der Handlung, ohne dass das irgendwie begründet wird.
- Hochtechnologie: Völker degenerieren aus verschiedenen Gründen und vergessen irgendwann sogar ihre größten Erfindungen, sodass sie niemand reproduzieren kann. Ja, haben die denn nie Backups von ihren Archiven gemacht, die irgendjemand zufällig entdeckt?
Logik-Fails
Nicht immer wirklich leicht nachzuvollziehen ist in der Gesamtbetrachtung auch so mancher Zeitraum, in dem sich etwas entwickelt oder eben nicht entwickelt:
- Die Arkoniden sind zu Beginn der Serie der Goldstandard. Niemand kann ihnen etwas anhaben. Denn ihre Weltraumtechnik ist über Jahrtausende (!) perfektioniert worden. Dann kommt Perry Rhodan und entwickelt sie faktisch innerhalb von ein paar Jahrzehnten so weiter, dass die Terraner nach wenigen Jahrhunderten die Vormachtstellung in der Milchstraße haben und die Arkondiden völlig unbedeutend sind …
- Der technologische Stand der Cappins ist vor 200.000 Jahren praktisch derselbe wie heute. Da stellt sich die Frage: Wieso haben sie sich denn nicht wenigstens ein bisschen weiterentwickelt? Eigentlich müssten sie sogar auf dem Stand einer Superintelligenz sein!
- Den Aras kann jahrtausendelang in puncto Medizin niemand das Wasser reichen. Doch die Terraner übertrumpfen sie in allerkürzester Zeit. Wie kann das sein?
- Die Milchstraße ist aus Perryversum-Sicht relativ klein. Dennoch begegnen sich viele hochtechnisierte Spezies erst, nachdem Perry Rhodan erscheint.
- Im Zyklus „Das Kosmische Schachspiel“ kann die Menschheit nur überleben, weil sie ein paar Monate in der Vergangenheit ein paar Veränderungen vornimmt. Ab da spielt die Serie dann auf dieser Zeitebene. Was aber ist mit der Original-Gegenwart passiert? Und warum löst Perry Rhodan künftig nicht alle Probleme auf diese Weise?
Jetzt kann man sich auf die Suche nach möglichen Erklärungen machen. Aber muss man das? Wer „Perry Rhodan“ liest, möchte ja nicht unbedingt einer stringenten wissenschaftlichen Linie folgen. Möglicherweise gibt es die Antworten sogar schon irgendwo auf den vielen Zehntausenden Seiten der Serie. Oder das alles gehört schlichtweg zu einer Höheren Wahrheit, die in Heft 5000 am 15. Juni 2051 oder in Jubiläumsnummer 10.000 am 13. April 2153 endlich aufgelöst wird …
Tipp: Lesen Sie noch weitere Kolumnen, Interviews, launige Beiträge und ganz persönliche Einschätzungen in unserer Serie „CarpeGusta Literatur meets Perry Rhodan“!



