*Kolumne*
Futuristische Raumschiffe sehen immer wie fliegende Untertassen oder vorn spitz zulaufende Raketen aus? Nein, warum sollten sie? Das dachten sich seinerzeit wohl auch die Autoren von „Perry Rhodan“, als sie kreisrunde Raumfahrzeuge in fast jeder erdenklichen Größe erfanden, teilweise mehrere Kilometer im Durchmesser. In der Welt der Science-Fiction war und ist eine solche Architektur selten, somit fast schon ein Alleinstellungsmerkmal der Weltraum-Soap. Die Konkurrenz setzt in der Regel lieber auf windschnittige Pendants, wohl weil sich damit Dynamik und Geschwindigkeit besser darstellen lässt. Technisch viel logischer und in der Realität erheblich wahrscheinlicher für ein interstellares Reisen in ferner Zukunft aber sind die Kugelraumer aus dem Perryversum. Heute, sechseinhalb Jahrzehnte nach Heftnummer 1, erscheint die Idee aus wissenschaftlicher Sicht erstaunlich modern, damals war sie geradezu visionär.
Effizienz im All
Denn warum sollte ein Raumschiff aerodynamisch sein? Weit weg von jedweder Planetenatmosphäre ist das einfach unnötig! Und weil es im Weltall faktisch kein Vorne, Hinten, Oben und Unten gibt, ist eine flugzeugähnliche Konstruktion mit einem Cockpit „vorn“ (das es da „oben“ wie gesagt nicht gibt!) ebenfalls nicht wirklich zielführend. Planeten, Monde und Sonnen machen es seit Urzeiten schließlich vor: Sie sind rund! Die gravitationsbedingte Form ist schlichtweg die beste, mit der sie sich im Vakuum fortbewegen können.
Raumschiffe wie Planeten
Autor H. G. Ewers ging sogar noch einen Schritt weiter: Er ließ erstmals in Heft 715 die riesige „Sol“ auftauchen, das wohl legendärste Fern- und Generationenraumschiff der Serie. Zwei riesige Kugeln, verbunden mit einem zylindrischen Mittelteil lässt es wie eine Hantel aussehen. Alle drei Teile können völlig selbstständig agieren. Ihre Reise dauert Jahrzehnte, viele spätere Besatzungsmitglieder kommen auf ihr zur Welt, ziehen das Leben an Bord mehr und mehr dem auf einem Planeten vor, weil der sie in ihrer Bewegungsfreiheit einschränken würde, wie sie nicht müde werden zu betonen. Dass die „Sol-Geborenen“ so denken, ist nachvollziehbar; ihre Gründe liegen geradezu auf der Hand, lassen sich psychologisch wunderbar herleiten. Sicher hat hieran aber auch die Kugelform ihren Anteil, erinnert diese doch – zumindest unbewusst – an einen Himmelskörper, der durchs All rast. Die „Sol“ ist wie ein künstlicher Planet, eine fliegende Welt und erheblich mehr als ein seelenloses Transportmittel!
Tipp: Lesen Sie noch weitere Kolumnen, Interviews, launige Beiträge und ganz persönliche Einschätzungen in unserer Serie „CarpeGusta Literatur meets Perry Rhodan“!



