Die vielleicht innovativste Serie über ein literarisches Phänomen, Teil 35: Perry Rhodan und die Kosmos-Chroniken

*Kolumne*

Rund 1500 Hefte waren bereits erschienen, als die Frage immer akuter wurde: Wie schaffen wir es, neue Leser zu gewinnen, ohne dass wir sie „zwingen“, erst alle „Perry Rhodan“-Romane aus den letzten Jahrzehnten lesen zu müssen? Sprich: Wie komprimiert man 100.000 Seiten, fasst sie sinnvoll und unterhaltsam zugleich zusammen? Es sollte weitere 500 Hefte, also noch einmal zehn Jahre dauern, bis endlich die Lösung erschien: die „Kosmos-Chroniken“! Die Idee: Eine Hauptfigur lässt aus ihrer höchst persönlichen Sicht die (Rahmen-)Handlung von rund 700 Folgen Revue passieren. Für Neu-Perryaner würde es heute also reichen, fünf Bücher à 500 Seiten zu lesen, um komplett reinzufinden ins Perryversum und dann Woche für Woche dem neuesten Roman aus dem aktuellen 46. Zyklus entgegenzufiebern.

Gescheiterte Win-win-Idee

Im Mai 2000 erscheint Band 1 der „Kosmos-Chroniken“. Darin lässt Hubert Haensel, seit 1995 Stammautor der Weltraum-Soap, Perry Rhodans ältesten Freund Reginald „Bully“ Bull in die Hauptrolle schlüpfen. Zweieinhalb Jahre später folgt Band 2 mit Publikumsliebling Alaska Saedelaere, dem Transmittergeschädigten. Doch die Reaktion der Fangemeinde ist eher verhalten. Die Begeisterung hält sich in Grenzen, die Suche nach vermeintlichen Ungereimtheiten zwischen Serie und Chroniken wird gefühlt zum Volkssport. Da wundert es nicht wirklich, dass es bis heute keine weitere Fortsetzung gibt. Mehr noch: Selbst eingefleischte Fans wissen nichts vom „Perry Rhodan“-Extrakt oder hören erst nach Jahren davon. Dabei ist die Idee schlicht und ergreifend bahnbrechend. Denn Newbies wären nicht mehr „gezwungen“, ganz vorn anzufangen oder zu Beginn eines neuen Zyklus aufzuspringen, meist also bei einer „runden“ Heftnummer. Beides hat Vor- und Nachteile, weitere „Kosmos-Chroniken“ hingegen wären ein echter Gamechanger.

Tipp: Lesen Sie noch weitere Kolumnen, Interviews, launige Beiträge und ganz persönliche Einschätzungen in unserer Serie „CarpeGusta Literatur meets Perry Rhodan“!