Die vielleicht innovativste Serie über ein literarisches Phänomen, Teil 20: Perry Rhodan als Film

*Kolumne*

„Warum wurde Perry Rhodan nie verfilmt?“, ist eine häufig gestellte Frage von Neueinsteigern ins Perryversum. Richtiger wäre allerdings zu fragen, warum die Serie niemals wieder verfilmt worden ist. Denn einen Kinofilm gibt es sehr wohl: „SOS aus dem Weltall“ heißt er und basiert auf den ersten drei Heften. Doch Fans und Kritiker lassen bis heute kein gutes Haar an ihm. Schon während der Produktion distanzierten sich sogar die Autoren der Serie deutlich von der Filmadaption mit Lang Jeffries in der Hauptrolle. Zuvor hatten sie noch vergeblich versucht, rettend einzugreifen, und waren dabei auf taube Ohren gestoßen. Ja, man muss es wirklich so sagen: Dieses Machwerk ist so schlecht und dabei so unfreiwillig lustig, dass es fast schon wieder sehenswert ist!

Sehr eigenwillige Interpretation der Vorlage

Da wird aus Rhodans Stellvertreter Reginald „Bully“ Bull in der deutschen Synchronversion ein Captain Burley. Einzelne Crewmitglieder sind plötzlich Bösewichte, die die Technik der Arkoniden stehlen wollen und dazu deren Kommandantin Thora kurzerhand entführen – kurz nachdem Perry Rhodan sie stürmisch geküsst hat. Ja, richtig gelesen: Der rationale, stets abwägende Titelheld ist im Film ein Draufgänger und Frauenheld, der jedem Rockzipfel hinterherjagd, übrigens am liebsten dem von Krankenschwestern! Krampfhaft versucht Regisseur Primo Zeglio, aus der Science-Fiction-Serie einen Actionthriller in James-Bond-Manier zu machen, erschafft aber höchstens eine billige Kopie eines Italo-Westerns mit Bud Spencer und Terence Hill!

Seine Special Effects sind dabei nicht von dieser Welt. Selten wohl hat man so dermaßen pingpongmäßig hüpfende Raumschiffe gesehen oder Energiewaffen, die gefühlt schon beim Zuschauen auseinanderfallen, weil sie deutlich erkennbar aus Pappmaché sind. Das alles ging auch Ende der 60er schon wesentlich besser, Stichwort „Star Trek“. Von der völlig unpassenden Musik und den hölzernen Dialogen wollen wir lieber erst gar nicht sprechen.

Geld ist nicht alles

Sicher, für die Produktion standen ganz offensichtlich nicht unbegrenzte Geldmittel zur Verfügung. Nur ist das keine Entschuldigung. Denn auch Low-Budget-Streifen können gut sein. Nehmen wir zum Beispiel den Mysterythriller „Paranormal Activity“ aus dem Jahr 2007 oder den Science-Fiction-Film „Primer“ (2004). Die waren mit bescheidenen 15.000 beziehungsweise 7000 Dollar schon voll bezahlt, sind gleichwohl professionell umgesetzt, äußerst profitabel und überwiegend hochgelobt. Das hätte definitiv auch Perry Rhodan verdient. Doch bislang traut sich einfach niemand mehr ein solches Projekt zu. Warum nur? Schlimmer kann es ja kaum werden …

Tipp: Lesen Sie noch weitere Kolumnen, Interviews, launige Beiträge und ganz persönliche Einschätzungen in unserer Serie „CarpeGusta Literatur meets Perry Rhodan“!

Die nächste Kolumne erscheint am 30. Mai 2025.