*Kolumne*
Eingefleischte Fans waren seinerzeit, vorsichtig ausgedrückt, irritiert. Denn die Bände 400 bis 499 (Silberbände 45–54) verlangten ihnen Einiges ab. Der Grund: Die Handlung setzt ohne Vorwarnung erst fast 1000 Jahre nach dem letzten Heft wieder ein. Die Folge: Viele liebgewonnene Protagonisten sind jetzt tot, darunter zahlreiche eigentlich unverzichtbare Mutanten mit ihren übersinnlichen Fähigkeiten, der Zustand des Solaren Imperiums ist ein gänzlich anderer, ein desolater nämlich, und etliche Handlungsstränge stehen in krassem Widerspruch zum „gewohnten“ Perryversum, stellen es geradezu auf den Kopf!
Aus dem Vollen geschöpft
Rückblickend betrachtet endet mit Zyklus 7 faktisch die klassische Serie. Ab Folge 500 weht ein völlig anderer Wind, dem veränderten Zeitgeist von damals geschuldet. Es ist ein Finale mit Pauken und Trompeten. Eine regelrechte Armada neuer Hauptfiguren, an die man sich erst einmal – ähm … – gewöhnen muss, etwa an den keuleschwingenden und gleichzeitig hochintelligenten „Pseudo-Neandertaler“ namens Lord Zwiebus, treffen auf zwar fantastische, aber schwer nachvollziehbare Technologie. Und über die zahlreichen Widersprüche sollte man großzügig hinwegsehen, will man den Spaß an Perry Rhodan nicht verlieren.
Zyklus der Widersprüche
Da besuchen Wesen aus einem Antimaterie-Universum die Milchstraße; aber niemand begreift wirklich, wie das gehen soll und warum die friedliebenden Accalauries eine solch selbstmörderische Mission überhaupt wagen. Da wird das heimische Sonnensystem mit riesigem technischem Aufwand kurzerhand fünf Minuten in die Zukunft versetzt, um es für vergleichsweise ungefährliche neue Feinde unerreichbar zu machen. Da lebt ein Volk eine gefühlte Ewigkeit versteckt im Hyperraum aus Angst vor einem Gegner, den es dann plötzlich nahezu problemlos besiegt. Da taucht (Achtung: Spoiler!) Perry Rhodans Sohn plötzlich wieder auf, weil er eben doch nicht gestorben, sondern im Angesicht des Todes durch einen glücklichen Zufall durch die Zeit gereist ist; später wird er darüber hinaus mal „relativ unsterblich“ und mal nicht. Da wird der friedliche Herrscher einer anderen Galaxis aus fernster Vergangenheit in unsere Gegenwart geholt, um die Erde zu retten, kehrt dann aber nicht zurück, sondern will sein Sternenreich fortan in seiner Zukunft führen. So etwas ist nicht nur schwer nachvollziehbar, sondern steht auch im krassen Widerspruch zur bisherigen Perryversum-Physik, nach der man zwar in die Vergangenheit, nicht aber in die Zukunft reisen kann. Perryaner und solche, die es werden wollen, lächeln solche Schnitzer selbstredend weg.
Der arme Pluto
Gleichzeitig ist der „Cappins“-Zyklus aus heutiger Sicht an manchen Stellen erschreckend aktuell oder gar hellsichtig: Thematisiert werden furchtbare Genexperimente und religiöse Fanatiker – und dass unser Sonnensystem nicht mehr wie früher neun, sondern nur noch acht Planeten hat. Gut, die Gründe dafür sind gänzlich andere: In der Realität wurde der ehemals neunte Planet Pluto natürlich nicht zerstört, sondern nur zum Zwergplaneten degradiert. Aber letztlich zählt doch nur das Endresultat. Oder etwa nicht?
Tipp: Lesen Sie noch weitere Kolumnen, Interviews, launige Beiträge und ganz persönliche Einschätzungen in unserer Serie „CarpeGusta Literatur meets Perry Rhodan“!



