Dichter im Bann der Nacht – der Mond als literarisches Faszinosum

21. November 2025 – Kaum ein Himmelskörper hat Schriftstellerinnen und Lyriker so fasziniert und inspiriert wie der Mond. Bereits in der Antike wurde er als Metapher für Göttlichkeit verwendet, die das Übernatürliche, das Zyklische und das Unerreichbare darstellte. Im Laufe der Jahrhunderte wandelte sich seine Bedeutung dabei ständig: Lange stand er für Sehnsucht, Harmonie und Einssein mit der Natur, später wurde er zum Seelentröster, Freund und Vertrauten.

Geheimnisumwittert und magisch

In vielen Gedichten zeigt sich indes der ambivalente Charakter des Mondes: Autorinnen und Autoren preisen seine magische Anziehungskraft; zugleich symbolisiert er für sie Einsamkeit, Melancholie – und die Angst vor dem Leben. Dabei verbindet Dichterinnen und Dichter eine Gemeinsamkeit: In ihrer Auslegung des Sujets offenbaren sich ihre ureigensten Sehnsüchte sowie ihre Begeisterung für das Geheimnisvolle und Rätselhafte, das der Mond seit jeher ausstrahlt.

Berühmte Zitate über den Mond

  • Paul Valérs: „Der Mond ist der Traum der Sonne.“
  • Mark Twain: „Jeder Mensch ist ein Mond mit einer dunklen Seite, die er niemals jemandem zeigt.“
  • Gustave Flaubert: „Unglücklich ist, wer sich nie einen tragischen Zorn gewünscht hat, wer kein Liebeslied auswendig weiß, um es im Mondschein vor sich hin zu flüstern!“
  • Jean Paul: „Der Mond ist ein Stück Poesie in der Prosa der Nacht.“
  • Friedrich Nietzsche: „Ziele nach dem Mond. Selbst wenn du ihn verfehlst, wirst du zwischen den Sternen landen.“
  • Wilhelm Raabe: „Wenn man auch allen Sonnenschein wegstreicht, so gibt es doch noch den Mond und die Sterne und die Lampe am Winterabend. Es ist so viel schönes Licht in der Welt.“
  • Erich Kästner: „Der Mond ist ein treuer Begleiter. Er fordert nichts und wandert mit mir, ein Freund aller Einsamkeit.“
  • Gottfried August Bürger: „Sieh hin, sieh her! Der Mond scheint hell. Wir und die Toten reiten schnell.“
  • Gerhart Hauptmann: „Wie lange haben die Hunde den Mond angebellt, ohne dass er sein Schweigen gebrochen hätte.“
  • Oscar Wilde: „Ja, ich bin ein Träumer. Ein Träumer findet nur im Mondlicht seinen Weg und erlebt zur Strafe die Morgendämmerung vor dem Rest der Welt.“

Berühmte Gedichte über den Mond:

Goethe: An den Mond

Füllest wieder Busch und Tal
Still mit Nebelglanz,
Lösest endlich auch einmal
Meine Seele ganz;

Breitest über mein Gefild
Lindernd deinen Blick,
Wie des Freundes Auge mild
Über mein Geschick.

Jeden Nachklang fühlt mein Herz
Froh- und trüber Zeit
Wandle zwischen Freud und Schmerz
In der Einsamkeit.

Fließe, fließe, lieber Fluss!
Nimmer werd ich froh,
So verrauschte Scherz und Kuss,
Und die Treue so.

Ich besaß es doch einmal,
Was so köstlich ist!
Dass man doch zu seiner Qual
Nimmer es vergisst!

Rausche, Fluß, das Tal entlang,
Ohne Rast und Ruh,
Rausche, flüstre meinem Sang
Melodien zu.

Wenn du in der Winternacht
Wütend überschwillst,
Oder um die Frühlingspracht
Junger Knospen quillst.

Selig, wer sich vor der Welt
Ohne Hass verschließt,
Einen Freund am Busen hält
Und mit dem genießt.

Was, von Menschen nicht gewusst
Oder nicht bedacht,
Durch das Labyrinth der Brust
Wandelt in der Nacht.

Georg Trak: Der Abend

Mit toten Heldengestalten
Erfüllst du Mond
Die schweigenden Wälder,
Sichelmond.
Mit der sanften Umarmung
Der Liebenden,
Den Schatten berühmter Zeiten
Die modernden Felsen rings;
so bläulich erstrahlt es
Gegen die Stadt hin,
Wo kalt und böse
Ein verwesend Geschlecht wohnt,
Der weißen Enkel
Dunkle Zukunft bereitet.
Ihr mondverschlungnen Schatten
Aufseufzend im leeren Kristall
Des Bergsees.

Achim von Armin: Ritt im Mondschein

Herz zum Herzen ist nicht weit
Unter lichten Sternen,
Und das Aug, von Tau geweiht
Blickt zu lieben Fernen.

Unterm Hufschlag klingt die Welt,
Und die Himmel schweigen,
Zwischen beiden mir gesellt
Will der Mond sich zeigen.

Zeigt sich heut in roter Glut
An dem Erdenrande,
Gleich als ob mit heißem Blut
Er auf Erden lande.

Doch nun flieht er scheu empor,
Glänzt in reinem Lichte,
Und ich scheue mich auch vor
Seinem Angesichte.

Christian Morgenstern: Mondendinge

Dinge gehen vor im Mond,
die das Kalb selbst nicht gewohnt.

Tulemond und Mondamin
liegen heulend auf den Knien.

Heulend fletschen sie die Zähne
auf der schwefligen Hyäne.

Aus den Kratern aber steigt
Schweigen, das sie überschweigt.

Dinge gehen vor im Mond,
die das Kalb selbst nicht gewohnt.

Tulemond und Mondamin
liegen heulend auf den Knien …

Franz Grillparzer: Der Halbmond glänzet am Himmel

Der Halbmond glänzet am Himmel,
Und es ist neblicht und kalt.
Gegrüßt sei du Halber dort oben,
Wie du, bin ich Einer der halb.

Halb gut, halb übel geboren,
Und dürftig in beider Gestalt,
Mein Gutes ohne Würde,
Das Böse ohne Gewalt.

Halb schmeckt’ ich die Freuden des Lebens,
Nichts ganz als meine Reu’;
Die ersten Bissen genossen,
Schien Alles mir einerlei.

Halb gab ich mich hin den Musen,
Und sie erhörten mich halb;
Halb auf der Hälfte des Lebens
Entflohn sie und ließen mich alt.

Und also sitz’ ich verdrossen,
Doch läßt die Zersplitterung nach;
Die leere Hälfte der Seele
Verdrängt die noch volle gemach.

Theodor Storm: Mondlicht

Wie liegt im Mondenlichte
Begraben nun die Welt;
Wie selig ist der Friede,
Der sie umfangen hält!

Die Winde müssen schweigen,
So sanft ist dieser Schein;
Sie säuseln nur und weben
Und schlafen endlich ein.

Und was in Tagesgluten
Zur Blüte nicht erwacht,
Es öffnet seine Kelche
Und duftet in die Nacht.

Wie bin ich solchen Friedens
Seit lange nicht gewohnt!
Sei du in meinem Leben
Der liebevolle Mond!

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