„Mitgift“ von Antonela Marušić, Edition Converso: Die Jugend zieht ein ins Leben von Nela und bringt so Einiges ins Wanken. Auf einmal sieht sie sich vor Hürden gestellt, die sie überwinden muss, obwohl sie oft gar nicht weiß, wie sie das anstellen soll.
Von Liebe und Zweifeln spricht dieser Roman ebenso wie von Identitätskrisen und vielen unausgesprochenen Gefühlen. Marušić nimmt beim Lesen von der ersten Seite an mit auf eine emotionale Reise zum innersten Kern einer jungen Suchenden, die lernen muss, sich selbst zu finden. Daraus entsteht ein Balanceakt zwischen Herkunft und Zukunft, familiärer Prägung und persönlicher Freiheit. Der Autorin gelingt es dabei meisterhaft, zarte Töne mit feiner Klarheit zu verbinden und aus Empathie, Sehnsucht und Aufbegehren eine literarische Stimme voller Kraft und Poesie zu formen.
Klappentext:
Gerade acht Jahre alt ist Nela, als die Mutter sie allein auf dem Fährschiff von Split auf die Insel Korčula schickt. Die geliebte Großmutter, Wahrerin der Geheimnisse von Natur und Küche, erwartet sie am Hafen. Auf dem Bauernhof wartet auch der Onkel. Zitternd sitzt Nela dann unterm Esstisch, Barba hat ihr eine Lektion mit dem Gürtel aufs nackte Fleisch verpasst. Rachelüstern schmiedet sie ihren Plan – sie wird Schriftstellerin! Von den Geschichten der Großmutter kriegt sie nie genug: z. B. über ihre Jahre im Flüchtlingslager El Shatt, Ägypten; als sie wie viele andere im II. WK vor der Wehrmacht fliehen musste. In der Adoleszenz ist Nela zerrissen zwischen Insel und Großstadt, großmütterlichem Dialekt und Hochsprache. Doch ihr Mantra hält: Sie will schreiben. In Split geht sie zur Schule. Die Scham über ihre Klassenzugehörigkeit wächst. Und sie entdeckt ihre Sexualität. Sie entzieht sich allen Rollenzwängen.
Über die Autorin:
Antonela Marušić, Jahrgang 1974, veröffentlichte als Studentin der kroatischen Sprache und Literatur ihren ersten Gedichtband, „Season of Escapes“, herausgegeben von der Nationalen Universität, Split. Größere literarische Erfolge erzielte sie unter dem Pseudonym Nora Verde. Ihre Prosa und Gedichte wurden in zahlreichen Sammlungen und Anthologien veröffentlicht und ins Slowenische, Englische, Deutsche, Mazedonische und Albanische übersetzt. Derzeit ist sie als Journalistin und Redakteurin beim digitalen Fernsehsender „Vida“ beschäftigt.
Ebenfalls neu erschienen in der Edition Converso: „Tief ins Fleisch“ und „Ich, ja ich werd’ Sorge tragen für Dich“
Klappentext „Tief ins Fleisch“
Ismaïl, eine Koryphäe der Neurochirurgie in Rabat, verlässt seine schöne, warmherzige Frau Médée, eine Bildhauerin, Mutter ihrer drei Kinder, nach über dreißig Jahren, um zu Meriem zu gehen, die ihn vor der Grenzkontrolle eines internationalen Flughafens erwartet. Brutal, ohne jede Erklärung, in der Hoffnung, damit den Knoten von Begehren, Verrat und Gewalt, der sie alle zu ersticken droht, so ehrenhaft wie möglich zu zerschlagen. Als Gefangener eines grenzenlosen Begehrens zu der jungen Geliebten, auch sie Neurochirurgin, ist er nun verdammt, alle Höllenkreise der Vergangenheit zu durchlaufen: den Verlust eines erfüllten Familienlebens, die Traumata seiner Kindheit, das Verschwinden des Vaters, eines Oppositionellen, die Krankheit des Bruders, das Webgeflecht der mütterlichen Hoffnung. Gerichthalten über sich als Mann, der zu größter Feigheit und noch größerer Liebe fähig ist. In einer atemberaubend schönen Sprache lässt sich Yasmin Chami ein in die Körper der Männer und der Frauen, zeichnet ein dramatisches Bild von Marokko in den letzten 60 Jahren, geprägt von Repression und Gewalt. Doch mit zärtlichem Blick auf ihre Figuren und die Schönheit der Landschaften. Das Schicksal eines Landes, von den Frauen auf Händen getragen, während die Männer sich in Utopien ergehen, im ewigen Wettlauf um die Macht.
Über die Autorin:
Yasmine Chami, Jahrgang 1967, lebt in Casablanca. Sie studierte Philosophie in Paris und hat eine Professur in Anthropologie. 1999 erschien ihr erster Roman. Nach der Geburt ihrer Zwillingssöhne 2001 in New York kehrte sie zurück nach Marokko, um das Museum „Villa des Arts“ zu leiten. Sie gründete eine Radio-Film-Produktionsgesellschaft und arbeitete viele Jahre lang als TV-Redakteurin. Für ihren Roman „Mourir est un enchantement“ erhielt Chami 2017 den „Arabischen Literaturpreis“ in der Kategorie Sonderpreis.
Klappentext „Ich, ja ich werd’ Sorge tragen für Dich“
„Curarsi con Dante“ (Selbstheilung durch Dante), so die Banderole um das Original. Fabio Stassi hat sich den Heilkräften der Literatur verschrieben: Mit der Kurzen Abhandlung über Dante wendet er sich auch an jene, die Dante Alighieri, den großen italienischen Dichter, nur flüchtig, vor allem als lorbeerbekränzte Ikone mit dem scharfen Profil kennen. Hier hat er den irdisch-menschlichen, den verzweifelten Dante im Blick, der körperlich geschwächt, von Heimweh und Schlaflosigkeit geplagt ist. Mit dem Feuer seiner klaren Sprache durchpflügt er Dantes Werk, die Göttliche Komödie, die Rime, die Vita Nuova, das Gastmahl. Findet auf die Frage, wieso er nach 700 Jahren noch immer so zeitgemäß ist, dank Verknüpfungen mit naturwissenschaftlichen, anthropologischen, psychologischen Erkenntnissen frappierende Antworten. Dieses Buch ist eine Schatztruhe, die sich magisch tagtäglich neu füllen kann, vorausgesetzt wir aktivieren den richtigen Schlüssel.
Über den Autor:
Fabio Stassi wurde 2006 mit seinem Roman „Fumisteria“ bekannt. Mit seiner fiktiven Biografie von Charlie Chaplin, „Ein Pakt fürs Leben“, die in 19 Sprachen übersetzt wurde, schaffte er den internationalen Durchbruch. Neben dem Schreiben forscht Stassi zum Thema Bücherverbrennungen.
Klappentext „Trauben schwarz wie Blut“ von Livia De Stefani:
Das ländliche Sizilien in den 1920-30er Jahren. Der Kampf ums Überleben hat Massen von Arbeitern und Bauern in die Emigration getrieben. Zurückgeblieben ist ein erstarrtes Land unter der Allmacht der Feudalbesitzer und der Mafia: “Abgeschottete Orte, weggesperrt hinter Mauern und Zäunen, weggesperrt auch die Gedanken“, wo „jeder Aufbruch eine Flucht, jede Flucht eine Schandtat, ein Verrat, ein tödliches Vergehen“ ist. (Carlo Levi, Vorwort zur Ausgabe 1975) Der Roman von 1953, also noch vor Leonardo „Sciascias Tag der Eule“, ist das erste erzählerische Werk, das unverhohlen die Mechanismen und Strukturen der Mafia beschreibt, die Sizilien im Würgegriff hielten] Casimiro Badalamenti, ein Mafioso unteren Rangs, Besitzer eines Weinbergs mit schwarzen Trauben, einer Rarität für die Gegend, ist nach einer obskuren Bluttat gezwungen, seinen Heimatort zu verlassen. Er reitet von Giardinello, seinem Heimatort in den Hügeln, hinab nach Cinisi, wo er sich bei Concetta, donna malfamata, ein „Fleischblock aus Marmor“ einnistet. In seiner Gier bleibt er an diesem „herrlich weißen Fleisch hängen wie eine Fliege am Zucker“. Ein ungleicher Tanz der Inbesitznahme des anderen beginnt. Casimiro, verroht und kaltblütig, will keine Kinder zeugen. Concetta weiß seine Mannesehre zu reizen. Sie bringt vier Kinder zur Welt, die er kurz nach der Geburt an Familien im Umland abgibt. Keines von ihnen weiß um die Existenz seiner Geschwister. Casimiro gerät in einen Machtrausch. Um ein echter uomo d‘onore zu werden, heiratet er Concetta, reißt drei der Kinder, „Blut von seinem Blut“, aus ihren Familien und kehrt nach über zehn Jahren mit der „heiligen Familie“ zurück zu seinem Weinberg. Dort lässt er Nicola, den Ältesten, wie einen Sklaven schuften. Der begehrt auf gegen den selbsternannten Herrscher über das Schicksal, unternimmt einen Fluchtversuch; Casimiro fängt ihn ein, legt ihm Fußfesseln an, jedes Mal, wenn er das Haus verlässt. Rosaria, die Zweitälteste, und Nicola finden zueinander und verlieben sich. Mit bald sichtbaren Folgen. Casimiro sieht sich seiner Ehre und seiner Aufstiegschancen beraubt. Die Katastrophe, die folgt, ist ein Spiegel biblischer Grausamkeiten, erzählt mit der Dramaturgie einer griechischen Tragödie. Livia De Stefani schildert in einer dichten, harten Sprache dieses Sizilien der zutiefst patriarchalen Strukturen in all seiner archaischen Brutalität. Und lässt dank ihrer Erzählkunst neben allen männlichen Herrschaftskodes das Psychogramm einer Form von Weiblichkeit durchscheinen, von der sich auf verblüffende Weise noch Spuren im Hier und Heute finden.



