Das Skandalbuch des Jahres: Eine Liebeserklärung an Prinzessin Diana – und eine Abrechnung mit Charles

Sie starb – und wurde dadurch unsterblich! Denn auch knapp 30 Jahre nach ihrem Tod hat Diana nichts von ihrer Präsenz und ihrer Magie verloren. Sie lebt in den Herzen ihrer Fans weiter. Mehr noch: Ihr Schicksal bewegt Millionen damals wie heute. Noch immer wollen sie Geschichten über die einst wohl berühmteste Frau der Welt lesen. Ein aktueller Beweis dafür ist die soeben erschienene Biografie „Swan Song“ aus dem Penguin Verlag.

… über einen herzlosen König

Niemand Geringeres als Dianas jüngerer Bruder, Charles Spencer, hat das Buch zu Papier gebracht. Darin blickt er tief in die Familienhistorie zurück. Er erzählt von Dianas nicht immer einfacher Kindheit, davon, wie sie und ihre Geschwister aufwuchsen, vom Verhältnis zu ihren Eltern und von der schwierigen Beziehung zur Stiefmutter. Doch damit nicht genug: Spencer spart nicht mit pikanten Details. Insbesondere seine Schilderungen über König Charles, der einst mit der Prinzessin verheiratet war, sorgen für Aufsehen. Unter anderem erhebt er den Vorwurf, der damalige Thronfolger habe nach Dianas Tod regelrecht erleichtert gewirkt: „Wie ein Lottogewinner“, sei er ihm vorgekommen. „Rückblickend vermute ich, dass der erste Gedanke des Prinzen wohl eher der sich nun eröffnenden Möglichkeit galt, endlich die Frau zu heiraten, die er liebte, als dem Verlust der Frau, die er nicht liebte“, resümiert Spencer.

Insgesamt lässt er kein gutes Haar an dem heutigen Regenten. Seine Schilderungen zeichnen ein ausgesprochen negatives Bild des britischen Monarchen. Er bezeichnet ihn als eher distanzierten, gar herzlosen Mann. Spencer schreibt: „Doch dann vernahm ich einen Satz, in dem nicht nur der Hass auf Diana zum Ausdruck kam, der sich über die Jahre in ihm aufgestaut hatte, sondern auch seine Empörung darüber, dass die Welt angesichts des Todes derart bestürzt war. ‚Sie wird bald in Vergessenheit geraten, darauf kannst du dich verlassen‘, stieß er hervor.“

… von einer Königin der Herzen

Bei allen kritischen Tönen ist „Swan Song“ indes aber vor allem eines: eine Liebeserklärung an die „Königin der Herzen“. Das rund 380 starke Werk zeigt die Frau hinter der weltberühmten Ikone, offenbart ihre liebevolle, herzliche, warmherzige, mitfühlende Seite; präsentiert sie als außergewöhnlich nahbaren Menschen, als achtsame Schwester und wundervolle Mutter abseits von Schlagzeilen, Kameras und königlichem Protokoll. Gerade diese persönliche, beinahe intime Perspektive macht die Biografie so besonders.

Der Buckingham Palace dagegen war über diesen Opus erwartungsgemäß „not amused“. Eigentlich äußert sich das Königshaus zu Veröffentlichungen dieser Art grundsätzlich nicht, diesmal aber eben doch: Es reagierte prompt und ungewohnt scharf. Unmittelbar nach Erscheinen verwies es darauf, dass Trauer wohl auch Jahre später das Urteilsvermögen beeinflussen könne. Es klingt wie ein geradezu zynisches Dementi von Spencers Behauptungen.

Über den Autor:

Charles Spencer ist Journalist, Autor, Historiker, Sprecher, TV- und Rundfunkmoderator. Der neunte Earl Spencer schrieb neun Sachbücher, vier davon „Sunday Times“-Bestseller. Von 1986 bis 1995 stand er als Korrespondent für NBC News vor der Kamera. Er moderierte im History Channel, war Co-Host des erfolgreichen Podcasts „Rabbit Hole Detectives“ und schrieb Beiträge für zahlreiche Zeitungen und Magazine, unter anderem Kolumnen bei der „Financial Times“. Seine Ausbildung absolvierte Spencer am Eton College und am Magdalen College, Oxford, wo er sein Studium mit einem Master in Modern History abschloss.

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