Melancholie als Geheimnisträgerin? Literarisches Konfekt in ausgewählten Büchern – empfohlen von Chefredakteurin Dr. Maria Zaffarana

Wörter sind mehr als nur eine Aneinanderreihung von Buchstaben. Ihnen wohnt ein Zauber inne, der durch feingeschliffene Sprache das Gewöhnliche ins Einzigartige verwandelt. Oder anders ausgedrückt: Eine eingängige Melodie lebt von Rhythmus, Gefühl und ausgewählten Noten, die perfekt harmonieren. Sonst berührt Musik nicht. Der Wohlklang eines Textes ertönt durch denselben Feinsinn: Nur wenn das Herz und der Geist abgestimmt werden mit der Leidenschaft für Poesie, entstehen bedeutungsvolle literarische Unikate. In dieser Rubrik widmet sich CarpeGusta Literatur genau solchen Büchern: Werken, die über die bloße Handlung hinausgehen, weil sie von der Ästhetik des Schreibens leben, indem sie durch wohlkomponierte Satz-Arrangements Magie pur erzeugen.

Aus den bereits bei CarpeGusta Literatur rezensierten Romanen haben wir jene ausgewählt, die unserer Ansicht nach herausstechen durch stilistische Raffinesse und expressive Ausdruckskraft.

Heute präsentieren wir Ihnen eine Auswahl der schönsten und prägnantesten Passagen aus dem Roman „Monas Augen“ von Thomas Schlesser:

  • „Im Mund einer unbefangenen, besorgten Zehnjährigen klingt die Verzweiflung knapp, ohne Schnörkel und Überschwang.“
  • „… das Schöne auf der Welt – das war irgendwie alles und nichts.“
  • „Die menschliche Natur ist das, was wir in unserem Inneren sind, mit unseren Licht- und Schattenseiten, Stärken und Schwächen, Hoffnungen und Ängsten.“
  • „Wer etwas empfangen hat, kann es immer noch zurückgeben, aber um zurückzugeben, also um aufs Neue schenken zu können, muss man erst fähig gewesen sein zu empfangen.“
  • „Er wusste sehr gut, dass das Leben sich nur lohnte, wenn man auch seine Härten akzeptierte, und dass diese mit der Zeit ein kostbares, fruchtbares Material abgaben, eine nützliche Substanz, die es erst lebenswert machte.“
  • „Alle waren auf der Suche nach einer Ergriffenheit, die sie oft nicht fanden, weil ihnen der passende Schlüssel zum Verständnis fehlte.“
  • „Das unendlich Kleine ist unendlich groß.“
  • „Die Gedanken reagieren manchmal fast wie Muskeln.“
  • „Er empfand Stolz, und im Grunde seines Herzens auch einen Hauch von Wehmut, weil sich in dieser merkwürdigen Aufhebung der Zeit seine eigene Abwesenheit andeutete.“
  • „Auf kleinstem Raum entfaltet sich hier ein Miniaturkosmos. Und in den kleinsten Details spiegelt sich die unermessliche Größe der Welt.“
  • „Weil nichts, auch der Tod nicht, verdient, dass wir vor ihm erzittern.“
  • „Jedem Fest haftet ein Scheitern an.“
  • „Und diese Traurigkeit weckt im Gegenzug Empfindungen, mit denen wir den Geheimnissen des Lebens auf die Spur kommen … Die Melancholie ist eine Art Bruchstelle in uns, die uns über Sinn und Unsinn nachdenken, die uns in Abgründe und Tiefen blicken lässt.“

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