„Es waren oft Kleinigkeiten, die Menschen ins Unglück stürzten. Wie viele Leute hatten nicht schon auf sonderbare Weise ihr Ende gefunden … Der Tod war eine sonderbare Sache. Wenn auf einen Schlag alles verschwindet, was man im Leben aufgebaut, gelernt, lieb gewonnen hat, dann ist das schon sonderbar.“
Wörter sind mehr als nur eine Aneinanderreihung von Buchstaben. Ihnen wohnt ein Zauber inne, der durch feingeschliffene Sprache das Gewöhnliche ins Einzigartige verwandelt. Oder anders ausgedrückt: Eine eingängige Melodie lebt von Rhythmus, Gefühl und ausgewählten Noten, die perfekt harmonieren. Sonst berührt Musik nicht. Der Wohlklang eines Textes ertönt durch denselben Feinsinn: Nur wenn das Herz und der Geist abgestimmt werden mit der Leidenschaft für Poesie, entstehen bedeutungsvolle literarische Unikate. In dieser Rubrik widmet sich CarpeGusta Literatur genau solchen Büchern: Werken, die über die bloße Handlung hinausgehen, weil sie von der Ästhetik des Schreibens leben, indem sie durch wohlkomponierte Satz-Arrangements Magie pur erzeugen.
Aus den bereits bei CarpeGusta Literatur rezensierten Romanen haben wir jene ausgewählt, die unserer Ansicht nach herausstechen durch stilistische Raffinesse und expressive Ausdruckskraft.
Heute präsentieren wir Ihnen eine Auswahl der schönsten und prägnantesten Passagen aus dem Roman „Irrfahrt“ von Toine Heijmans:
- „Ich nahm eine Menge Sorgen und Erinnerungen mit, die dann in der Sonne verblichen.“
- „Kinder haben die Welt schon von Geburt an durchschaut, sie stellen sich nur dumm. Das verschafft ihnen Vorteile.“
- „So wild ein Boot sich auch gebärden mag, an Bord ist es immer noch ruhiger als zu Hause.“
- „Jeder Mensch schleppt eine Geschichte mit sich herum … So ist niemand jemals ganz er selbst.“
- „Die Sonne war mit einem Karneval an Farben hinter dem Horizont versunken, und seitdem war alles schwarz-weiß.“
- „Die See hatte eine andere Farbe angenommen. Als hätte sie ein Abendkleid angezogen.“
- „Es kommt kein Morgen. Als hätte die Welt beschlossen, dass die Sonne überall aufgehen darf, nur nicht über meinem Boot.“
- „Ein Abenteuer, kalt wie Eis.“
- „Wasser empfindet nichts und hat keine Geschichte.“
- „Das Problem des Menschen ist, dass er alles vermenschlicht. Der Mensch denkt, das Wasser hätte ein Vorhaben. Der Mensch will stärker sein als das Wasser, obwohl es doch bloß Wasser ist: Wasser ohne Gedanken, ohne Hintergedanken.“
Entdecken Sie noch mehr ausgewählte Bücher in unserer Rubrik „Literarisches Konfekt“!




