Welches Kleid trägt der Hauptakteur des Poems? Literarisches Konfekt in ausgewählten Büchern – empfohlen von Chefredakteurin Dr. Maria Zaffarana

Wörter sind mehr als nur eine Aneinanderreihung von Buchstaben. Ihnen wohnt ein Zauber inne, der durch feingeschliffene Sprache das Gewöhnliche ins Einzigartige verwandelt. Oder anders ausgedrückt: Eine eingängige Melodie lebt von Rhythmus, Gefühl und ausgewählten Noten, die perfekt harmonieren. Sonst berührt Musik nicht. Der Wohlklang eines Textes ertönt durch denselben Feinsinn: Nur wenn das Herz und der Geist abgestimmt werden mit der Leidenschaft für Poesie, entstehen bedeutungsvolle literarische Unikate. In dieser Rubrik widmet sich CarpeGusta Literatur genau solchen Büchern: Werken, die über die bloße Handlung hinausgehen, weil sie von der Ästhetik des Schreibens leben, indem sie durch wohlkomponierte Satz-Arrangements Magie pur erzeugen.

Heute präsentieren wir Ihnen eine Auswahl der schönsten und prägnantesten Passagen aus dem Essay „Ich, ja ich werd’ Sorge tragen für Dich. Kurze Abhandlung über Dante, die Dichtung und der Tod“ von Fabio Stassi:

  • „Doch wenn Panik und Melancholie die emotionalen Ausgangsstadien sind, kann man am Ende des Wegs dennoch in das Umfeld oder zumindest in die Grenzregionen der Glückseligkeit gelangen. Das ist die Skizze eines Wegeplans: Die Melancholie, von ihr geht man aus und verliert sich in ihr, und die Glückseligkeit, ihr strebt man entgegen: Die Behandlung, die Heilung, die Zeit der vollständigen Genesung.“
  • „Es sind die Gebrechen – die Seelenqualen, der Schmerz, das Gefühl der Verlorenheit –, die sich unverändert quer durch die Jahrhunderte ziehen, sie sind der Gang der Zeit, die immer gleichbleibt. Sie zu leben und zu ertragen, sie zur ureigenen Lebenserfahrung zu machen, das ist, was uns alle verbindet.“
  • „In unserer Arroganz als Menschen des einundzwanzigsten Jahrhunderts haben wir vergessen, dass die Lektüre von Poesie, die stille oder die laut vorgetragene, uns helfen kann, im gleichen Maße wie es das Melatonin tut, den Schlafzyklus zu regulieren; jedoch auch Nebenwirkungen zeitigen kann und uns im Gegenteil Schlaflosigkeit bereitet, uns in Aufregung versetzt, uns anrührt.“
  • „Die Dichtung ist in der Lage, den Menschen Gewicht verlieren zu lassen, ihn auszuzehren.“
  • „Die Poesie ist der Ort, wo sich jede Angst verliert.“
  • „… nur die Kunst kann den Menschen dem Tod entreißen und über Zeit und Vergessen obsiegen.“
  • „Die Sünde gegen das Wort ist die unerträglichste …“
  • „Der Leser ist der erste und zugleich wichtigste Komplize des Autors.“
  • „Die Angst ist der erste Morbus des Menschen und der Hauptakteur des Poems, das wilde Tier, das in uns wohnt, das finstere und verborgene Übel.“
  • „Dichterinnen und Dichter können sich auf ihr jahrtausendaltes Vertrautsein mit dem Verhältnis zwischen Zwang und Freiheit berufen. Sie sind Fachleute in Sachen Misanthropie, aber auch in der Kunst der Fuge.“

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