„Ins Dunkel“ von Angela Steidele, Suhrkamp Verlag: Hollywoodstars treffen auf Schriftstellerin. Drei Frauen mit einem verzwickten gemeinsamen Schicksal. Stilistisch raffiniert und rhythmisch bis ins letzte Detail durchkomponiert entwickelt sich der Roman zu regelrechtem Erzählkino, das weit über eine nostalgische Rückschau hinausgeht. Die Leserinnen und Leser erleben eine literarische Inszenierung, die mit Witz und Tiefgang historische Stoffe neu beleuchtet und dabei gleichermaßen unterhält wie herausfordert.
Glamour trifft Tiefgang
Dabei folgt dieses perfekte Arrangement einer stringenten, dramaturgischen Logik, wie man sie aus der Screwball-Komödie kennt – temporeich, pointiert, mit lakonischem Witz und zugleich tiefer Melancholie. Der Autorin gelingt ein bemerkenswerter Spagat: ein Buch zu erschaffen, das glamourös ist, ohne oberflächlich zu sein, und politisch, ohne zu moralisieren.
Fazit: Ein kluges, vielstimmiges Werk!
Klappentext:
Wir sitzen im Dunkeln. Auf der Leinwand treffen sich Greta Garbo und Erika Mann 1969 in den Schweizer Bergen und erinnern sich. Wie war das noch mit Marlene Dietrich und der gemeinsamen Geliebten? Als der Film den Nerv der Zeit traf und die Deutschen Hollywood und ganz Amerika durcheinanderwirbelten. Mit Erika Manns antifaschistischem Kabarett Die Pfeffermühle, während die ganze Welt ins Dunkel glitt? Mit der Zensur nach 1933 auch in den USA? Ach – und wie gut kannten sich eigentlich Greta Garbo und Marlene Dietrich? Wer traute sich mehr auf der Leinwand? Und im Leben?
Zwei weitere Lese-Highlights aus dem Suhrkamp Verlag:
Klappentext „Die Wüste und ihr Samen“ von Jorge Barón Biza:
Kurz bevor er Selbstmord beging, verwandelte Jorge Barón Biza die Katastrophe im Zentrum seines Lebens in ein literarisches Meisterwerk. In Die Wüste und ihr Samen beschwört er einen radikalen Formverlust, findet einen einzigartigen Ausdruck, eine Sprache zwischen Ruin und Sehnsucht. Dieser Roman führt in eine Sphäre, in der Linien, Konturen, Grenzen keinen Halt mehr geben und vom Menschsein nichts bleibt als ein Schwindel.
Beim Unterschreiben der Scheidungspapiere schüttet der Vater der Mutter Säure ins Gesicht. Der gemeinsame Sohn ist anwesend, es ist der Sommer 1964, Argentinien steht politisch kurz vor dem Kollaps, und er beginnt zu erzählen. Von den hilflosen Versuchen der ersten Minuten, den Schaden zu begrenzen, von der seltsamen Erleichterung, als er erfährt, dass sich der Vater eine Kugel in den Kopf geschossen hat, von der Reise an der Seite der Mutter nach Mailand zu einem Spezialisten, von seiner ganz persönlichen Höllenfahrt durch Bars und Bordelle. Und eben immer, immer, immer wieder vom Gesicht der Mutter, dieser sonderbaren Masse Fleisch, die auseinander, ineinander, übereinander läuft und in den sonderbarsten Farben leuchtet.
Klappentext „Die Besessenheit“ von Annie Ernaux:
Sie hat keine großen Gefühle mehr für ihn und trennt sich. Doch als er Monate später von einer anderen spricht, ist sie völlig aus der Bahn geworfen. Jetzt leidet sie, fühlt sich verschmäht, zurückgewiesen. Vor allem aber treibt die Frausie um, die ihren Platz eingenommen hat – wer ist die eigentlich und wie? Ist sie schöner, besser, ist der Sex mit ihr toller? Diese Fremde wird zu einer Obsession, einer Art Wahn.



