„Ich möchte zurückgehen in der Zeit“ von Judith Hermann, S. Fischer Verlag: Die Vergangenheit lässt sich weder leugnen noch verdrängen. Irgendwann drängt sie sich an die Oberfläche und will verarbeitet werden. Es ist ihr völlig gleichgültig, wie sehr die Konfrontation mit ihr schmerzt. Auf eine solch diffizile Reise begibt sich auch die Autorin mit ihrem Roman, der so vieles ans Licht bringt, was lange im Verborgenen schwelte und sich nun unaufhaltsam Bahn bricht.
Dichte Prägnanz
Als ihre eigene Protagonistin begegnet sie dabei alten, verschütteten Erinnerungen. Sie lässt Ungesagtes aufleben, macht das Unbegreifbare begreiflich. Und all das geschieht mit einer nuanciert eingesetzten Sprache. Hermann bemüht keine ausladenden Beschreibungen, keine weitschweifigen, detailverliebten Szenen. Nein, das Gegenteil ist der Fall: Ihre Geschichte lebt von ihrer schöngeistigen Komprimiertheit. An manchen Stellen spart sie dazu an Gefühlen, an Fakten und erzeugt genau dadurch eine Spannung, die sich zwischen den Zeilen aufbaut und gerade im Verschwiegenen ihre größte Intensität entfaltet.
Klappentext:
Judith Hermann folgt in „Ich möchte zurückgehen in der Zeit“ den Spuren ihres Großvaters, der während des Zweiten Weltkriegs für die SS im polnischen Radom stationiert war. Sie verknüpft ihr Schreiben mit seiner lange verleugneten Geschichte, reist von Polen aus weiter zu ihrer Schwester nach Neapel und geht Erinnern und Vergessen der folgenden Generationen nach.



