„Hannah Arendt. Ein Leben“ von Willi Winkler, Rowohlt Verlag: Ihr Verstand war messerscharf. Sie war eine Unbezwingbare, eine, die sich nie vereinnahmen ließ, weder von Ideologien noch von Menschen, weil sie unbeirrt analysierte, polarisierte und nie die Kontroverse scheute. Die Fragen, die sie offen stellte, haben bis heute – 50 Jahre nach ihrem Tod – nichts von ihrer Relevanz verloren.
Die Vita einer solchen Frau zu erzählen, ist alles andere als leicht. Denn wie, so fragt man sich, soll man sich ihr nähern, ohne sie zu verklären oder zu vereinfachen? Fest steht: Das erfordert Mut und Fingerspitzengefühl.
Starke Biografie
Willi Winkler beweist auf 512 Seiten, dass er über eben solches Gespür verfügt. Ihm gelingt es, Hannah Arendt in all ihrer Komplexität zu porträtieren. Seine Biografie gleicht einer melodiösen Komposition. Sie ist sprachlich brillant umgesetzt und zu einem äußerst interessanten Text verwoben, der eine immense intellektuelle Kraft ausstrahlt.
Klappentext:
Hannah Arendt hat die ganze Geschichte des 20. Jahrhunderts am eigenen Leib erlebt. Als Tochter aus einem großbürgerlichen Haus wächst sie in der Kant-Stadt Königsberg auf, studiert an der Universität Marburg, jenem Ort, an dem sich die geistige Produktivität der zwanziger Jahre auf einzigartige Weise verdichtet, und verliebt sich dort in den charismatischen Philosophen Martin Heidegger. Hitlers Machtergreifung treibt sie ins Exil, sie wird in Frankreich interniert, entkommt nach New York, wo sie wieder ganz von vorn anfängt. Sie entwickelt sich zu einer politischen Theoretikerin, die englisch schreibt, weiter deutsch denkt und sich dabei immer als Jüdin versteht. Mit ihrem Bericht vom Eichmann-Prozess erregt sie weltweit Aufsehen.



