6. November 2025 – „Frieden“ lautete das Thema des diesjährigen CarpeGusta Literatur Awards. Unter den zahlreichen Einsendungen stach Dr. Petra Zeil mit ihrer Kurzgeschichte „Planänderung“ besonders hervor. Die Jury beeindruckte die emotionale Tiefe, mit der sie das Sujet auf unkonventionelle Weise umsetzte. CarpeGusta Literatur stellt die Autorin vor und präsentiert ihre berührende Kurzgeschichte.
Ihre Vita in eigenen Worten
„Rückblickend glaube ich, dass ich 1980 bereits als Bücherwurm zur Welt kam. Nach dem Abitur habe ich in Freiburg im Breisgau englische und romanische Sprach- und Literaturwissenschaft sowie katholische Theologie und Caritaswissenschaft studiert. In diesen Jahren bin ich viel gereist, habe Sprachen gelernt und mir die Welt angeschaut. Dann habe ich meinen Doktor in Theologie gemacht und bin Seelsorgerin geworden.
Wo immer ich war und was immer ich tat: Nebenbei habe ich schon immer geschrieben. Ich liebe Bücher und Sprache(n), das Erzählen, Reimen, Spinnen und Erfinden und außerdem das Zeichnen und Illustrieren. Am liebsten schreibe ich Kinderlyrik und Gedichte für Erwachsene, aber auch kurze und lange Geschichten, spirituelle Impulse und Predigten.
In den letzten drei Jahren habe ich viel für Literaturwettbewerbe geschrieben und
- 2023 mit dem Gedicht „Wir werden am Meer stehen“ den ersten Preis der Friedrich-Naumann-Stiftung in der Kategorie Nachhaltigkeit,
- 2024 für das Gedicht „An diesem bayerischen See“ den ersten Preis der Kulturredaktion Ostbayern und für die Kurzgeschichte „Knechte der Zeit“ den Publikumspreis des Mölltaler Kurzgeschichtenwettbewerbs sowie
- 2025 für den selbstveröffentlichten Kinderlyrikband „Mein Koffer riecht nach Keksen“ den Froschköniginaward für Self-Publisherinnen in der Kategorie Lyrik und für die Kurzgeschichte „… und pusten alle Schirmchen fort“ den Nordhessischen Literaturpreis Holzhäuser Heckethaler
gewonnen – und nun zu meiner großen Freude auch den CarpeGusta Literatur Award.
Ich lebe mit meinen beiden kleinen Kindern in einem Dorf zwischen Straßburg und Freiburg in Baden-Württemberg und schreibe, sobald meine Kinder schlafen.
Das Interview
CarpeGusta Literatur: Herzlichen Glückwunsch zum CarpeGusta Literatur Award 2025! Können Sie beschreiben, was Sie beim Schreiben Ihrer Kurzgeschichte für den Wettbewerb inspiriert hat?
Dr. Petra Zeil: Wenn ich in den Nachrichten von den Kriegen unserer Zeit höre, denke ich oft voller Wut: Wenn keiner mitmachen würde, gäbe es keinen Krieg! Diese Erkenntnis liegt meiner Geschichte zugrunde.
Welche Botschaft wollen Sie mit Ihrer Story denn konkret vermitteln?
In jeder Stadt und in jedem Dorf, das bedroht, überfallen, bombardiert, zerstört wird, hat jemand eine Enkelin, um die er Angst hat, einen Sohn, der den Ort liebt, ein unersetzliches Zuhause, eine Tochter, die nicht fort kann, Tiere, die nicht in Sicherheit gebracht werden können, Kindheitsfreunde oder eine Oma, die dort begraben liegt. Also: Hört auf zu töten, zu zerstören, zu traumatisieren! Hört auf mit diesem schrecklichen Unrecht! Die wenigsten Menschen wollen Krieg. Wenn keiner mitmacht, gibt es ihn nicht.
Wie würden Sie das Leitmotiv des diesjährigen Contestes mit einem Satz zusammenfassen?
Die Wurzel von Krieg ist Angst und die Wurzel von Frieden innere Freiheit und Geborgenheit in sich selbst.
Glauben Sie, dass unsere Gesellschaft überhaupt dazu bereit ist, friedlich miteinander zu leben? Was müsste geschehen, damit weltweiter Frieden „ausbricht“?
Ich glaube nicht, dass unsere momentane Gesellschaft insgesamt dazu bereit ist, in Frieden zu leben. Überall brodelt es. Viele Menschen haben Angst und glauben, sich und das Ihrige vor anderen verteidigen zu müssen. Diese Angst wird noch geschürt von Menschen, die mit sich selbst nicht in Frieden sind. Vielleicht sind es viele kleine und große Verletzungen, die zusammenkommen und verursachen, dass Menschen immer denken, sich beweisen, sich verteidigen, sich selbst dies und jenes sichern zu müssen. Ich glaube, das Wichtigste, was wir dafür tun können, dass es in Zukunft Frieden gibt, ist, unsere Kinder voller Liebe großzuziehen, sie so zu stärken, dass sie zu im Herzen gesunden, selbstbewussten, liebevollen und freien Erwachsenen heranwachsen, die kein Bedürfnis haben, sich ständig selbst darzustellen und andere kleinzumachen. Was wir jetzt tun können, ist, bei Hass, Hetze und Rache nicht mitzumachen.
Inwiefern hat Sie Ihre Arbeit als Seelsorgerin beim Schreiben beeinflusst?
Vielleicht durch die vielen Begegnungen mit Leid: Als Seelsorgerin mit Schwerpunkt in der Trauerbegleitung und im Beerdigungsdienst ist mein Antrieb, Leid mitzutragen und – wo möglich – zu lindern. Meine Geschichte „Planänderung“ will auf das Leid der „fremden Menschen im Nachbarland“ hinweisen – die so fremd gar nicht sind – und dazu aufrufen, solches Leid zu stoppen. Und vor allem selbst keines zuzufügen!
Verstehen Sie das Schreiben von fantasievollen, fiktiven Geschichten als ausgleichenden Kontrast zur Theologie? Oder ergänzen sich diese beiden Disziplinen vielleicht sogar?
Ich schreibe schon Geschichten, seit ich lesen kann. Ich liebe Geschichten, Bücher und Poesie. Sie sind – beim Lesen und beim Schreiben – mein Ausgleich und meine Ergänzung zu allem; sie sind meine Art, Gedanken, Sehnsucht, Leben zu verarbeiten. Die Theologie und die Seelsorge traten erst viel später in mein Leben und gehören seither auch fest zu mir. Deshalb fließen sie natürlich auch in mein Schreiben mit ein.
Haben Sie auch schon einmal darüber nachgedacht, einen Roman über dieses aktuelle Thema zu verfassen?
Ohne dass ich es mir zum Ziel setze, ist das Thema Frieden in fast allen meinen Texten zu finden, mal offensichtlich, mal eher unterschwellig – auch in den Romanmanuskripten, an denen ich arbeite. Meist geht es dabei eher um den Frieden oder Unfrieden, der im Inneren eines Menschen, der ja nicht unbedingt an den politischen Schalthebeln sitzt, herrscht und sich dann in dessen Umfeld bemerkbar macht.
Was bedarf es Ihrer Meinung nach, um Menschen mit Literatur zu berühren?
Die Literatur muss gut und ehrlich geschrieben sein, von einem Menschen, der das, was er schreibt, meint und liebt. Dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich die Leserin oder der Leser darin in irgendeiner Weise wiederfindet.
Haben Sie literarische Vorbilder?
Ja, Astrid Lindgren, Lucy Maud Montgomery, J. K. Rowling, Jane Austen, Josef Guggenmos, Michael Ende, Otfried Preußler, Cornelia Funke, Cecelia Ahern, Beatrix Potter, außerdem Reinhard Mey und Rolf Zuckowski, insbesondere wegen der wunderbaren Poesie in ihren Liedtexten und ihres Durchhaltevermögens.
Lassen Sie uns dieses kleine Interview mit einem Bonmot abschließen, das Ihr literarisches Credo widerspiegelt …
Groucho Marx: „Outside of a dog, a book is a [wo]man’s best friend. Inside of a dog, it’s too dark to read.“
Lesen Sie jetzt die preisgekrönte Kurzgeschichte „Planänderung“ in voller Länge!













