Die Geschichte der Maria Schneider

„Die Geschichte der Maria Schneider“ von Vanessa Schneider, Kiepenheuer & Witsch Verlag: Die 1970er-Jahre waren das Jahrzehnt der Skandale, der sexuellen Befreiung, die auch im Kino im wahrsten Sinne des Wortes filmreif in Szene gesetzt wurde. Für Künstlerin Maria Schneider mutierte dieser Trend zum Albtraum. Sie war gerade einmal 19 Jahre alt, als sie in Bernardo Bertoluccis Skandalfilm „Der letzte Tango in Paris“ an der Seite von Marlon Brando spielte. Die Rolle machte sie berühmt; zugleich zerstörte sie ihr Leben. Die Vergewaltigungsszene, die Bertolucci und Brando improvisierten, ohne die junge Frau vorher entsprechend zu informieren, wurde für sie zu einem Trauma, das sie nie verarbeiten konnte.

Eine Szene, die nie hätte gedreht werden dürfen

Maria Schneider hatte das Potenzial, eine der größten Stars ihrer Generation zu werden. Doch die Erfahrung am Set veränderte sie. Sie sprach danach von Ohnmacht, von Demütigung. In einer Zeit, in der Frauen noch vergleichsweise wenig Mitspracherecht hatten, hatte sie sich kaum wehren können. Die Filmindustrie ließ sie in der Folge fallen, während ihre männlichen Kollegen gefeiert wurden. Maria Schneider indes suchte Trost bei Ikonen wie Alain Delon und Brigitte Bardot, fand eine Zuflucht in Musik von Patti Smith und Bob Dylan. Doch ihre unsichtbaren Wunden blieben und sie verfiel den Drogen, wurde depressiv.

Erst viele Jahre später war sie bereit, zusammen mit ihrer Cousine Vanessa Schneider ihre Geschichte erzählen. Entstanden ist ein aufwühlend ehrliches Geständnis. Es handelt von den Ängsten, den Hoffnungen, den zerstörten Sehnsüchten –anklagend, selbstkritisch und sensibel zugleich.

Über die Autorin:

Die preisgekrönte Journalistin und Romanautorin Vanessa Schneider arbeitet bei der renommierten Tageszeitung „Le Monde“ in Paris.