Wetterextreme, Wasserknappheit, Artensterben: Die Klimakrise stellt nicht nur eine der größten Herausforderungen unserer Zeit dar, sondern ist inzwischen auch ein zentrales Thema moderner Literatur. Frank Schätzing war mit seinem Bestseller „Der Schwarm“ 2005 einer der ersten bekannten Schriftsteller, die das Sujet belletristisch verarbeiteten. Von Jahr zu Jahr werden es mehr Autorinnen und Autoren, die sich in ihren Romanen mit der globalen Katastrophe beschäftigen. Inzwischen ist daraus ein eigenes Genre entstanden: Climate Fiction (Cli-Fi). Es verpackt die drängenden ökologischen Themen in eindringlicher Prosa und wirft stets die eine entscheidende Frage auf: Was können wir tun?
Die 3 Merkmale von Cli-Fi
- Cli-Fi-Werke entwerfen düstere Zukunftsvisionen, legen bewusst den Finger in die Wunde. Sie zeigen, wie eine aufgeheizte Erde das Leben von Menschen, Tieren und Pflanzen drastisch verändern kann: Überschwemmungen, heftige Stürme oder Dürren erschüttern die Welt. Die Natur tritt dabei als dynamische, unberechenbare Macht auf, lehnt sich teilweise sogar bewusst gegen den Menschen auf.
- Neben der Umweltzerstörung thematisiert Cli-Fi häufig auch die damit verbundenen sozialen und politischen Auswirkungen. Die Autorinnen und Autoren schildern plastisch, wie der Kollaps zu massiven Umwälzungen führen kann: weil ganze Regionen nicht mehr bewohnbar sind oder Kriege um die letzten (Wasser-)Ressourcen toben.
- Während einige Autorinnen und Autoren in ihren Werken eine faktisch ausweglose Zukunft beschreiben, weil es zu spät für Veränderungen ist, ersinnen andere Wege aus der Krise, um der menschengemachten Bedrohung doch noch zu trotzen. Die unermüdliche Suche nach Lösungen und der unerschütterliche Glauben an eine gemeinsame Vision spielen hier die zentrale Rolle.
Cli-Fi als Katalysator für Veränderung
Die Plots dieses Genres, pessimistische wie optimistische gleichermaßen, berühren zutiefst, spielen mit aufwühlenden Emotionen. Ganz bewusst erzeugen sie Angst und Schrecken – aber eben nicht wie ein herkömmlicher Thriller oder eine übersinnliche Horrorgeschichte. Indem sie die Folgen eines nicht gestoppten Klimawandels als bereits erlebte Realität darstellen, machen sie den Leserinnen und Lesern die apokalyptischen Konsequenzen schonungslos deutlich. Mehr oder weniger unterschwellig mahnen sie dabei stets: Das kann wirklich passieren! Cli-Fi verkündet somit immer auch eine Botschaft: Denkt intensiv darüber nach, wie ihr als Individuen und als Gesellschaft reagieren könnt. Und handelt!
Klappentext „Der Schwarm“:
Vor Peru verschwindet ein Fischer. Spurlos. Norwegische Ölbohrexperten stoßen auf merkwürdige Organismen, die Hunderte Quadratkilometer Meeresboden in Besitz genommen haben. Währenddessen geht mit den Walen entlang der Küste British Columbias eine unheimliche Veränderung vor. Nichts von alledem scheint miteinander in Zusammenhang zu stehen. Doch Sigur Johanson, Biologe und Schöngeist, glaubt nicht an Zufälle. Auch der indianische Walforscher Leon Anawak gelangt zu beunruhigenden Schlüssen: Eine Katastrophe kündigt sich an. Die Suche nach dem Urheber konfrontiert die Forscher mit ihren schlimmsten Albträumen. Frank Schätzing inszeniert den Feldzug der Natur gegen den Menschen als atemberaubendes Schreckensszenario mit Tempo und Tiefgang.



