„Dieses unruhige Ich: Ingeborg Bachmann“ von Dieter Burdorf, C. H. Beck Verlag: Ihr Freiheitsdrang ließ sie regelrecht um die Welt hetzen. Sie wollte sich zu keinem Zeitpunkt an einen Ort, aber auch an keinen Menschen binden. So war sie, so lebte sie, so starb sie – eine Schriftstellerin auf der ständigen Suche nach innerem Frieden. Auf ihrem Weg nahm die Intensität ihrer inneren Unruhe immer mehr zu und ließ sie letzten Endes niemals wirklich ankommen.
Dieter Burdorf, Professor für Neuere deutsche Literatur und Literaturtheorie, widmet Bachmann anlässlich ihres 100. Geburtstag am 25. Juni eine 764 starke Biografie, die unter anderem dieser Rastlosigkeit nachspürt. Dafür wertete er neben bekannten Quellen auch bislang wenig beachtetes Material aus, darunter besonders aussagekräftige Briefe und Briefpassagen sowie kleinere, teils erst kürzlich veröffentlichte Texte wie Gedichte und Tagebuchnotizen. So gelingt es ihm, die außergewöhnliche literarische Qualität und die vielschichtige Persönlichkeit der Ausnahmeliteratin sichtbar zu machen.
Fazit: Die Biografie zeichnet sich durch eine reflektierte Distanz aus, die jede psychologisierende Reduktion vermeidet. Dadurch entsteht ein analytisch präzises Porträt, das Bachmanns Vita als vielschichtiges Gefüge darstellt und ihre innere Ambivalenz in aller Konsequenz freilegt.



